Kommunalwahl im März 2020 – 11 von 28 Landkreisgemeinden bekommen ein neues Gemeindeoberhaupt
Das große Stuhlrücken

Strahlende Gesichter beim Neujahrsempfang in Röllbach 2018: Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit Bürgermeister Rudi Schreck und Pfarrer Franz Leipold (von rechts).
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  • Strahlende Gesichter beim Neujahrsempfang in Röllbach 2018: Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit Bürgermeister Rudi Schreck und Pfarrer Franz Leipold (von rechts).
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Andrea Kaller-Fichtmüller

In der Nacht zum 31. März werden die Uhren wieder auf Sommerzeit umgestellt. Um es sich besser merken zu können, heißt es oft vereinfacht: „Die Stühle in den Cafés und Eisdielen werden aus dem Winterschlaf geholt und vor die Türen gerückt.“ Etliche Stühle werden im nächsten Jahr gerückt, wenn am 15. März 2020 in ganz Bayern die Kommunalwahl stattfindet.

In den kreisfreien bayerischen Städten werden dann die Stadträte und in den Landkreisen die Kreistage gewählt. Das bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt in den meisten Kommunen auch der erste Bürgermeister neu gewählt wird.

Im Landkreis Miltenberg gibt es insgesamt 32 Städte, Märkte und Gemeinden. Von diesen 32 Gemeinden werden vier Bürgermeister im nächsten Jahr nicht gewählt, weil ihre Termine für die Bürgermeisterwahl von den anderen Kommunen abweichen. Grund hierfür ist zumeist das vorzeitige Ausscheiden eines Amtsvorgängers. Diese vier Kommunen – Erlenbach, Leidersbach, Niedernberg und Sulzbach – sind also bei der Bürgermeisterwahl im nächsten Jahr außen vor.

In den restlichen 28 Kommunen allerdings wird sich einiges tun, denn so viel steht schon fest: Sechs der bisherigen Amtsinhaber erreichen die Altersgrenze und dürfen nicht mehr kandidieren. Dies ist in Collenberg, Großheubach, Miltenberg, Schneeberg, Stadtprozelten und Weilbach der Fall. Und auch wenn es noch einige Monate bis zur Wahl sind, haben weitere fünf Bürgermeister bereits angekündigt, im nächsten Jahr nicht mehr als Bürgermeister zu kandidieren. So geschehen in Dorfprozelten, Eschau, Hausen, Laudenbach und Röllbach.

Das letzte Jahr – voller Ideen und Projekte

Die Altersgrenze erreichen Karl Josef Ullrich aus Collenberg, Günther Oettinger aus Großheubach, Helmut Demel aus Miltenberg, Erich Kuhn aus Schneeberg, Claudia Kappes aus Stadtprozelten und Bernhard Kern aus Weilbach. Dietmar Wolz aus Dorfprozelten, Michael Günther aus Eschau, Manfred Schüßler aus Hausen, Bernd Klein aus Laudenbach und Rudi Schreck aus Röllbach dürften sich zwar noch einmal zur Wahl stellen, haben aber bereits angekündigt, dies nicht mehr zu tun. Somit ist die laufende Amtsperiode für diese elf Bürgermeister auch die letzte. Und damit steht fest, dass es in mehr als jedem dritten Rathaus im Landkreis Miltenberg 2020 eine neue Bürgermeisterin oder einen neuen Bürgermeister geben wird – rekordverdächtig!

Claudia Kappes, Stadtprozelten

Die einzige Bürgermeisterin im Landkreis – Claudia Kappes aus Stadtprozelten – zählt zu den Amtsinhabern, die aus Altersgründen nicht mehr kandidieren dürfen. Doch zu tun gibt es für die tatenfreudige Frau noch genug. „Es ist nicht zu erkennen, dass mir die Arbeit ausgeht“, stellt sie fest. „Meine Ideen würden sicherlich noch für einige Amtsperioden ausreichen. Aber es ist gut so, dass auch alles endlich ist.“

Umgehungsstraße mit Hochwasserschutz

Für ihr letztes Jahr hat sich Claudia Kappes keine besonderen Projekte oder Maßnahmen vorgenommen. „Das ergibt sich im Laufe der Jahre meistens von selbst, denn erforderlichen, vor allem größeren Maßnahmen gehen in der Regel meist lange Untersuchungs- und Planungsphasen voran wie beispielsweise bei unserem größten Projekt – der Umgehungsstraße mit Hochwasserschutz. Für die Einleitung des Planfeststellungsverfahren hierfür, das bevor steht, wird noch einmal jegliche Energie und Herzblut nicht nur von mir, sondern des gesamten Stadtrates erforderlich sein. Das ist mir natürlich eine Herzensangelegenheit – aber nicht für mich, sondern für die Zukunft von Stadtprozelten.“

Kindergartenerweiterung

„Was mich jetzt noch relativ kurzfristig und schnell eingeholt hat und keine Zeit für längeres Zögern zulässt, ist die Erfordernis für eine Erweiterung unseres städtischen Kindergartens“, ergänzt die Bürgermeisterin. „Natürlich gilt es auch hier, die staatlichen Förderungen abzugreifen, die hier zu Verfügung gestellt werden, was dann auch ein relativ kurzes Zeitfenster vorgibt. Hier hat sich der Stadtrat für einen Neubau entschieden und den gilt es jetzt auf den Weg zu bringen. Die Planungen laufen bereits mit Hochdruck an!“

„Viele schöne Erlebnisse“

In all den Jahren, die Claudia Kappes als einzige Bürgermeisterin im Landkreis die Geschicke von Stadtprozelten maßgeblich mitprägte, sind viele schöne Eindrücke entstanden. „Aber ich kann bewusst gar kein besonderes Ereignis nennen. Es waren sehr viele wunderschöne Erlebnisse mit den Bürgerinnen und Bürgern in den unterschiedlichsten Bereichen und Begegnungen. Unser Jubiläumsjahr 2005, als wir 650 Jahre Verleihung der Stadtrechte feiern konnten, war sicherlich einer von vielen Höhepunkten. Mich persönlich erfüllt grundsätzlich ein freundliches, ehrliches und aufrichtiges Dankeschön im Alltag bei den sogenannten Kleinigkeiten mehr, als ´lautes Getöse´ um Errungenschaften oder Erfolge, die man ohnehin nie alleine bewerkstelligen kann! Da gehören immer ganz viele Menschen dazu, die alle an einem Strang ziehen. Dieses gemeinsame Ziehen, das gibt mir Freude!“

Erich Kuhn, Schneeberg

Ebenfalls das Rentenalter bald erreicht hat Erich Kuhn aus Schneeberg. Der Bürgermeister hat viel erreicht in seiner nunmehr fast 24-jährigen Amtszeit als erster Bürgermeister der Odenwaldgemeinde. „Eines der größten und nachhaltigsten Projekte ist die Fertigstellung und Einweihung des Dorfwiesenhauses in unserer Marktgemeinde im Jahr 2005. Wir haben hier zum einen Räumlichkeiten für unsere Vereine geschaffen, die mit Musik, Gesang, den verschiedenen Gruppen der Faschingsgesellschaft ´Schneeberger Krabbe´ und der Rot-Kreuz-Bereitschaft auch gerne und oft genutzt werden. Weiterhin sind ein Saal für 160 Personen mit einem separat nutzbaren Foyer und zwei Jugendräume entstanden.“

„Tolle Gemeinschaftsleistung“

„Das Dorfwiesenhaus ist eine tolle Gemeinschaftsleistung“, betont Erich Kuhn. „Sehr viele Bürgerinnen und Bürger, die Vereinsvertreter, die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat haben dazu beigetragen und ihren Anteil daran geleistet, dass dieses Projekt so entstanden ist und so gut angenommen wird. Außerdem ist es optisch ein echtes Schmuckstück für unser Ortsbild. Es freut mich sehr, dass wir das geschafft haben und ich meinen Teil dazu beitragen konnte.“

Bebauungsplan „Schulgelände“

Ausruhen wird Erich Kuhn sich im letzten Jahr seiner Amtszeit nicht. „Dazu gibt es keinen Anlass, denn wir arbeiten derzeit an mehreren ´Baustellen´ gleichzeitig. Das größte Projekt ist unsere ehemalige Schule. Das Gebäude steht momentan kurz vor dem Abriss, da es schon seit mehreren Jahren nicht mehr als Schulhaus genutzt wurde und eine andere Nutzung nicht in Frage kam. Die Bagger rollen bald an.“

Bauplätze für junge Familien

„Wir planen hier die Aufstellung eines rechtsgültigen Bebauungsplans, um innerorts Bauplätze für junge Familien zu schaffen“, so Erich Kuhn weiter. „Insgesamt acht Bauplätze sind auf dem Gelände der alten Schule geplant, weitere drei Bauplätze entstehen in unmittelbarer Nachbarschaft. Für dieses Baugebiet gilt es nun, die Erschließung mit Straße, Wasser, Kanal und DSL fertig zu stellen.“ Erich Kuhn ist voller Tatendrang: „Ich blicke mit Optimismus und Freude auf das letzte Jahr als Bürgermeister und bin sehr dankbar für alles, was ich erleben durfte.“

Rudi Schreck, Röllbach

Einer, der schon vor der Wiederwahl im Jahr 2014 ankündigte, dass es seine letzte Amtszeit als Bürgermeister sein würde, ist Rudi Schreck aus Röllbach. „Diese Entscheidung ist meinem Alter geschuldet“, sagt er. „Ich bin nun seit drei Wahlperioden als ehrenamtlicher Bürgermeister im Amt. Davor war ich zwei Perioden lang zweiter Bürgermeister. Jetzt habe ich das Rentenalter erreicht und denke, es ist genug.“

„Schöne Begegnungen“

Viele schöne Begegnungen mit Menschen behält Schreck in Erinnerung. „Der Dienst bereitet mir immer noch sehr viel Spaß. Besonders gerne denke ich an den Neujahrsempfang 2018 zurück, der schon im Zeichen des 125-jährigen Jubiläums der Kindertagesstätte Spatzennest stand. Landtagspräsidentin Barbara Stamm hielt die Festansprache im Pfarr- und Jugendheim. Das war schon ein toller Event!“

Für Rudi Schreck bleibt noch einiges zu tun. „Da sind zunächst die begonnenen Bauprojekte, die ich weiterführen möchte – die Dorferneuerung mit dem Rathausplatz, der Jugendplatz, die barrierefreie Gestaltung der Schule oder der Kindergartenanbau. Auch die Breitbandversorgung – hier sind wir in drei Förderprogrammen – liegt mir am Herzen.“

Noch einige Projekte in Arbeit

„Ein wichtiges Anliegen ist die Hauptstraße, die Staatsstraße 2441“, führt Rudi Schreck weiter aus. „Wir sind hier in der Erprobung eines Parkraumkonzepts. Ein fertiger Plan liegt bereits vor. Sollte alles passen, dann möchte ich das gerne noch fertigstellen.“ Ein weiteres Großprojekt schwebt dem Röllbacher Bürgermeister ebenfalls noch vor: „Wir haben in der Hauptstraße 28 ein älteres Anwesen mit über 600 Quadratmetern Grundstücksgröße erworben, das abgerissen und neu geplant werden soll. Eventuell entstehen hier noch Parkplätze, eine barrierefreie Bushaltestelle und ein Bauplatz.“ In der Abschlussphase befinden sich zwei Projekte: Die Aussegnungshalle des Friedhofs wird barrierefrei gestaltet und erhält auch eine barrierefreie Toilette und das neue Baugebiet „Unterer Bangert“ für die Ansiedlung junger Familien ist mit insgesamt 27 Bauplätzen, davon 22 in Händen der Gemeinde, ebenfalls abgeschlossen.

Wichtig ist Rudi Schreck abschließend vor allem, „dass ich die Gemeinde gut gestellt an die oder den Neuen übergeben kann. Ich werde bis zum letzten Tag für die Gemeinde und die Bürger da sein. Wer mich kennt, der weiß: Rudi rastet nicht!“

Manfred Schüßler, Hausen

Auch für Manfred Schüßler aus Hausen ist die jetzige gleichzeitig die letzte Amtszeit. „Ich denke, dass nach 12 Jahren ehrenamtlicher und nach 12 Jahren hauptamtlicher Zeit als Bürgermeister, also nach insgesamt 24 Dienstjahren, die Zeit für einen Wechsel gekommen ist. Ein neuer Bürgermeister bringt sicherlich neue Ideen ins Rathaus. Zudem wäre ich nach einer weiteren Amtsperiode dann schon fast 70 Jahre alt. Alles hat seine Zeit, und ich habe für mich vor einem Jahr entschieden, dass nun für mich die Zeit der Ruhe kommen soll und ich nicht für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung stehe.“

Kindergartenkinder im Fokus

Der Kindergarten liegt Manfred Schüßler in seinem letzten Amtsjahr besonders am Herzen. „Ein großes Anliegen ist mir, dass ich zusammen mit dem Gemeinderat und der Verwaltung eine gute Lösung finden werde, was die Raumsituation für unsere Kindergartenkinder betrifft.“ Auch andere Projekte stehen noch auf seiner Agenda: „Die Planungen für barrierefreies Wohnen in unserer Ortsmitte sowie unser Projekt Begegnungshaus und neues Verwaltungsgebäude zwischen dem Sulzbacher Weg und der Hauptstraße will ich weiter vorantreiben. Zudem soll noch in diesem Jahr die Lagerhalle für den gemeindlichen Bauhof ihrer Bestimmung übergeben werden. Natürlich gibt es noch viele Projekte, die ich angestoßen habe und die ich gerne noch zum Abschluss gebracht hätte. Diese überlasse ich vertrauensvoll meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger.“

„Täglich schöne Erlebnisse“

Die Arbeit als Bürgermeister bereitet Manfred Schüßler nach wie vor große Freude. „Täglich habe ich gleich morgens ein schönes Erlebnis, wenn ich ins Rathaus gehe und von den Kindern, die auf dem Weg zur Schule sind, mit ´Guten Morgen Bürgermeister´ begrüßt werde. Unsere 750-Jahr-Feier im Jubiläumsjahr 2006 war sicherlich eines der schönsten Erlebnisse, die ich als Bürgermeister hatte. In vier Amtsperioden gibt es unzählige schöne Erlebnisse, an die man sich immer wieder sehr gerne erinnert.“

Autor:

Andrea Kaller-Fichtmüller aus Miltenberg

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