Volksbegehren "Rettet die Bienen"
Jeder kann etwas für mehr Artenschutz tun - zum Beispiel im eigenen Garten!

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Vor genau drei Wochen, 13. Februar 2019  jubelten die Initiatoren des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“. 18,4 Prozent Zustimmung zeigten deutlich den Wunsch vieler Menschen in Bayern, dass sich in Sachen Naturschutz etwas ändern muss. 
Das sieht auch Dr. Steffen Scharrer, Vorsitzender des Bundes Naturschutz (BN) im Landkreis Miltenberg, so. Der BN gehört zum Aktionsbündnis am Untermain für das Volksbegehren (wir berichteten). „Dass ausgerechnet der Schutz von Insekten das erfolgreichste Volksbegehren aller Zeiten in Bayern ist, ermutigt uns, weiter mit aller Kraft für die Erhaltung von Tier- und Pflanzenarten aktiv zu werden. Im Landkreis Miltenberg ist es gelungen, viele unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen für dieses wichtige Anliegen zusammenzuführen.“

Gemeinsame Aufgabe

Kritische Töne kamen aus der Landwirtschaft, aus Sorge, dass der neue Gesetzentwurf zu mehr Bürokratie, höheren Kosten und damit zu einem weiteren Hofsterben führen könnte. Auch der Vorwurf, mit einer Unterschrift alleine rette man keine Biene, ist nicht von der Hand zu weisen. Wie sieht es denn mit der Bereitschaft in der Region aus, z. B. im eigenen Garten für mehr Bienen-Nahrung zu sorgen? „Seit dem Volksbegehren bekommen wir Anfragen, was man im eigenen Garten tun kann oder welches Saatgut für ­Blühwiesen geeignet ist“, so Dr. Scharrer. „Das zeigt, dass wir sehr wohl vermitteln konnten, dass nicht nur die Landwirte gefragt sind.“ Auch beim runden Tisch in München vor 14 Tagen wurde von allen Beteiligten betont, dass Artenschutz als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu betrachten sei. Dr. Scharrer: „Der Runde Tisch ist genau die richtige Reaktion auf den Erfolg des Volksbegehrens. Natürlich ist es schade, dass es erst einer so gewaltigen Kraftanstrengung bedurfte, damit die Politik aktiv wird. Es geht darum, den bestehenden Entwurf so auszugestalten, dass alle damit leben können.“

Nicht insektenfreundlich: die Schotterwüste im Vorgarten

Stichwort „Schotterwüste im Vorgarten“. Laut einer Umfrage, die der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) im Rahmen seiner Initiative „Rettet den Vorgarten“ 2017 in Auftrag gegeben hatte, besitzen fast vier von zehn Deutschen einen Vorgarten. 84 Prozent der deutschen Vorgärten sind begrünt und bepflanzt, 15 Prozent sind dagegen größtenteils versiegelt, das heißt, gepflastert oder mit Kies und Schotter bedeckt. Die Befragung zeigte: ein bepflanzter Vorgarten gefällt den Deutschen besser, Pflegeleichtigkeit ist das Hauptmotiv für versiegelte Vorgärten.
Sind „Schottergärten“ wirklich so pflegeleicht?
Fachfrau Elke Förster von der Löwer GmbH in Mömlingen sagt: „Nein, Schotter oder andere Steine im Vorgarten bedeuten nur dann ,pflegeleicht‘, wenn keine Pflanzen darin stehen. Eine ,pflegeleichte‘ Alternative zu Schotter wäre z. B. eine Blumenwiese für Bienen mit Trittplatten. Hier müsste nur 2 x im Jahr gemäht werden. Denkbar ist auch ein Heidebeet (ohne Knospenheide) mit Zwerggehölzen (z. B. Fingerstrauch) oder begehbare Polsterstauden wie Römische Kamille, Kriechender Thymian oder Oregano.“ Frau Förster ist gelernte Baumschulistin und seit 30 Jahren „in diesem Beruf mit Berufung“, wie sie selbst sagt, tätig. Sie kann bestätigen, dass seit etwa zwei Jahren eine deutlich verstärkte Nachfrage nach Bienen- und ­Insektennährgehölzen besteht. „Das Bewusstsein um das Bienensterben ist zum Glück in vielen Köpfen angekommen. Das Gleiche gilt auch für den Umgang mit Unkraut und Schädlingsbe­kämpfungsmitteln. So wird verstärkt nach Stärkungsmitteln für Pflanzen und Alternativen zu Glyphosat gefragt.“

Daniel Kremer, staatlich geprüfter Garten- und Landschaftsbautechniker, leitet den Bereich Gartengestaltung bei Kremer‘s in Großheubach und verneint das: „Stellen Sie sich einfach ein Beet mit weißem Kies vor. Das ist zu Beginn schön sauber, aber je nach Lage und Baumnähe sind spätestens nach einem Jahr die Steine voller Laub oder grün bemoost und müssen gegebenenfalls vollständig ausgetauscht werden. Ich habe Verständnis, wenn Kunden sich einen pflegeleichten Garten wünschen, aber ich bin absolut kein Freund dieser Kieswüsten. Für mich als Gärtner steht immer die Pflanze im Vordergrund, ich will grüne Gärten gestalten und keine Vorgärten versiegeln. Daher stelle ich immer Pflanzungen als Alternative vor – in der Regel mit Erfolg. Es gibt passend zu jedem Haus oder Stil Bepflanzungen, die langfristig pflegeleicht sind. Wichtig dabei ist die Verwendung bodendeckender Pflanzen. Sie sorgen dafür, dass der Wildbewuchs wenig Chancen hat. Ebenso kann zwischen den Bodendeckern auch mal abfallendes Laub verbleiben. Oft liegt es einfach an der falschen oder fehlenden Beratung, wenn Gartenbesitzer sich für Kies oder Schotter entscheiden. Wenn jeder Einzelne darauf achtet, nicht jede kleine Fläche zu versiegeln, ist schon viel gewonnen und wir brauchen keine neuen Gesetze.“ Einen deutlichen Trend zu besonders bienenfreundlichen Gartengestaltungen im Kundenauftrag kann Daniel Kremer nicht feststellen. Die Nachfrage nach insektenfreundlichen Pflanzen im Verkauf der Baumschule Kremer durch Gartenbesitzer, die selbst pflanzen, ist dagegen sehr groß. Hier trägt die Beratung im wahrsten Sinne des Wortes Früchte.

Blüh-Patenschaften für mehr Artenvielfalt in Mönchberg

Landwirt Marcus Link aus Mönchberg bietet seit neuestem Blüh-Patenschaften auf seinen landwirtschaftlichen Flächen an: „Die Artenvielfalt
spielt auf unserem landwirtschaftlichen Be­trieb bereits seit vielen Jahren eine
große Rolle. So haben wir im Jahr 2018 über 42 unterschiedliche Kulturen, auf unseren Feldern, zwischen April und November geerntet. Neben unserem ungespritzten Getreideanbau (Weizen und Roggen) für die Bäckerei Weigand, Raps, Gerste und Brotweizen für den Handel bauen wir seit dem Jahr 2012 auch Körnergewürze in Mönchberg an. Von der Aussaat über die Bestandspflege, Ernte, Trocknung und Reinigung bis hin zur kundenspezifischen Verpackung erledigen wir alle Arbeiten auf unserem Betrieb selbst. Nur so können wir ein hohes Maß an Qualität und Transparenz garantieren.Durch unseren mittlerweile überregional bekannten Gewürzanbau sind wir in eine weitere Nische gerutscht – die Vermehrung von Wildblumen- und Grassaatgut mit regionalem Herkunftsnachweis. Durch den geschlossenen Kreis, vom Acker bis auf den Teller in unserer Gaststätte (Brot, Fleisch und Wurst) sowie der hohen kulturellen Vielfalt auf unseren Feldern, sind wir der Meinung, dass wir bereits sehr viel für den Artenschutz machen.

Trotzdem wollen wir es mit unserem neuen Projekt auch jedem einzelnen Bürger ermöglichen, sich mit einem kleinen finanziellen Beitrag aktiv am Artenschutz und dem Erhalt der Artenvielfalt zu beteiligen.
Denn schließlich rettet eine Unterschrift alleine noch keine Biene. Sollten Sie Interesse an einer Blühpatenschaft (mindestens 100 m²) haben, können Sie sich gerne an uns wenden, E-Mail bluehflaeche@web.de.“

Besuch beim Imker – es geht um mehr als nur die Bienen!

Unser Leser Hermann Schirm besuchte mit seinem Senioren-Englisch-Kurs der VHS Erlenbach in Wörth den Imker Herbert Abb in Erlenbach. Dort erfuhr er viel Wissenswertes über die Bienen und schrieb uns dazu Folgendes: „Wir sahen viel, wir hörten viel, und lernten viel vom Leben der Bienen. Und wir sprachen viel Englisch, überraschend und erfreulich! Herbert Abb ist ja nicht nur ein leidenschaftlicher und begeisterter und begeisternder Imker. Er spricht auch erstaunlich gut Englisch, und er hat die Gabe, sehr gut und sehr anschaulich erklären zu können. Er blieb auch auf keine Frage eine Antwort schuldig.
Herbert Abb tut das Seine, nicht nur, um die Bienen zu retten. Es geht ihm um mehr. Wenn wir die Bienen retten, retten wir ja noch viel mehr.Alles hängt doch irgendwie zusammen. So müssen die Bauern auch weiterhin mitmachen und hoffentlich viele andere mehr. Im Idealfall müsste jeder bei sich anfangen und sich fragen (lassen): ,Wie bienenfreundlich bin denn eigentlich“ich?‘“

Giftfrei im 3Ländereck e. V.

Für blühende Landschaften setzt sich seit April 2018 auch das Aktionsbündnis Giftfrei im 3Ländereck e. V. ein. Im letzten Jahr wurde von Mitgliedern eine insektenfreundliche Blumenwiese am Finanzamts-Kreisel in Amorbach angelegt, die großen Zuspruch fand - von Bienen und Menschen. Benedict Vierneisel aus Rippberg: „Das positive Echo von Kommunen und Privatleuten ist wirklich motivierend. Wir werden in diesem Jahr nicht nur die Fläche in Amorbach vergrößern, sondern legen auch in Rüdenau und am Schulzentrum in Elsenfeld neue Insektenweiden an. Viele Menschen fragen uns, was sie selbst für die Artenvielfalt tun können. Bienenfreundliche Balkonpflanzen, mehr Naturbelassenheit und weniger aufgeräumte Gärten sind ein guter Anfang. Stengel und Staudenreste bieten im Winter Schutz, daher sollte man sie erst im Frühjahr entfernen.“

Selbst etwas für die Natur tun

Viele haben für die Bienen unterschrieben, und das ist gut. Aber Artenvielfalt, Naturschutz, Bienenrettung – das geht uns alle an, nicht nur diese 18,4 Prozent! Wer meint, dass ihn das alles nicht betrifft, dass es nur um die Landwirte oder um Politik geht, macht es sich zu leicht. Wir alle nehmen mit unserer Art zu leben Einfluss auf die Natur, ob wir wollen oder nicht. Klar, nicht jeder kann mal kurz die (Um)Welt retten, aber jeder kann sofort bei sich selbst anfangen, bewusster mit ihr umzugehen. Und ein „ab und zu“ ist schon besser als ein „nie“.
Dr. Scharrer: „Wir wollen jetzt positive Beispiele aufzeigen, gut gemachte Initiativen öffentlich machen und dafür werben. Dafür brauchen wir Partner, wie Gartenbesitzer, Gärtnereien, Landwirte und Kommunalpolitiker. Bei gut gemachten Naturschutzprojekten gibt es nur Gewinner!“ 

Infos:
7. April (Marktsonntag) Obernburg: Infostand „Bienenfreundlicher Garten“, Hof Geschäftsstelle des Bundes Naturschutz, Römerstraße 41, https://miltenberg.bund-naturschutz.de/

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