Bildergalerie und Essay.
Ein Pieter-Brueghel Moment im Advent.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Dorfweihnacht in Eiersheim.
Eiersheim. Am vierten Adventswochenende zeigte sich der Külsheimer Stadteil wohl von seiner lebendigsten Seite. Der kleine Ort zwischen Taubertal und Bauland verwandelte sich in ein winterliches, glücklicherweise noch schneefreies, idyllisches Dorfpanorama, das in seiner Mischung aus Gewusel, Gesprächen, Musik und kleinen Alltagsszenen erstaunlich nah an die ländlichen Szenen des niederländischen, vor 500 Jahren geborenen Malers Pieter Brueghels des Älteren heranrückte.
Schon beim Betreten des geräumigen Festplatzes fiel der großzügig verteilte Rindenmulch auf, der den Boden in einen pragmatischen, aber erstaunlich verbindenden Teppich verwandelte. Wer darauf stand, blieb stehen. Wer stehen blieb, kam ins Gespräch. Genau in solchen beiläufigen Mikro-Begegnungen zeigte sich eine Atmosphäre, die an Brueghels Welt erinnerte.
Brueghel, der bekannte und bedeutende Chronist des Dorflebens, hat das Feiern nie als Ausnahmezustand dargestellt, sondern als Fortsetzung des Alltags mit anderen Mitteln. Seine Bauernhochzeiten, Bauerntänze und Kinderspiele zeigen das Land beim Feiern so, wie es ist: ungeordnet geordnet, voller kleiner Nebenszenen, humorvoller Randfiguren und sozialer Mini Geschichten.
In Eiersheim spiegelte sich genau diese Logik wider. Die Kapellen aus Eiersheim und Neuses spielten unter dem Schutz des heiligen Josef von der nahen Kapelle ihr Adventsprogramm, während mehrere Kleinkinder mit ihren niedlichen Musikinstrumenten ein spontanes Gegenkonzert eröffneten – eine Szene, die Brueghel mit Vergnügen am Bildrand platziert hätte, als lebendige Störung, die das Ganze erst menschlich macht.
Auch die Gesprächsinseln der Erwachsenen folgten einer brueghelschen Kompositionsweise: kleine Gruppen, die sich bilden, lösen und neu formieren; Menschen, die reden, zuhören, beobachten; ein soziales Geflecht, das sich nicht inszeniert, sondern organisch wächst.
Brueghel hätte darin genau das erkannt, was seine Malerei ausmacht: das Dorf als vielstimmigen Organismus, in dem das Wesentliche nicht auf der Bühne geschieht, sondern im Dazwischen.
Zwischen den Ständen drangen die Düfte von Bratwürsten, Plätzchen, Punsch, Glühwein, Apfelschorle, Plätzchen und Flammkuchen durch die kalte Luft. Kinder liefen zwischen Strohballen und Fachwerkfassaden umher, während ältere Dorfbewohner - wie der mit seinem weihnachtlich dekorierten Traktor angereiste 74 jährige Werner Väth aus Külsheim - Geschichten austauschten, die nicht nostalgisch verklärt, sondern mit dem warmen Humor einer Gemeinschaft erzählt wurden, die weiß, wie man zusammen feiert.
Das Dorfmuseum und die Dorfscheune, sowie Kirche und Kapelle wirkten wie jene architektonischen Ruhepunkte, den Brueghel in seinen Bildern nutzt, um das Gewimmel zu erden. Steinerne Mauern, Ausdruck von Schutz und Schirmherrschaft, verbanden Vergangenheit und Gegenwart, während auf dem malerischen Hofplatz das lebendige Wimmelbild der Dorfweihnacht entstand.
Wer in diese kontemplativ anmutenden Kleinode eintrat, fand bäuerlich-profane und sakrale Exponate, die nicht museal abgehoben wirkten, sondern wie ein stiller Kommentar zur Gegenwart: Die Tradition lebt nicht hinter Glas, sondern draußen, im Gespräch, im Lachen, im gemeinsamen Stehen auf Rindenmulch.
Hauptorganisator Wolfgang Krug freute sich wie Külsheims Bürgermeister Thomas Schreglmann über das abwechslungsreiche, wieder gelungene Programm am vergangenen Samstag und Sonntag sowie über das zufriedene Publikum aus nah und fern.
Den musikalischen Rahmen gestalteten am Samstag der Männergesangsverein Eiersheim, der Posaunenchor Buch am Ahorn und die Eiersheimer Musikanten.
Mit einer Andacht zur Dorfweihnacht startete man am frühen Sonntagnachmittag mit Militärdekan Alexander Prosch aus Veitshöcheim.
Es folgten kurzweilige Darbietungen mit der Bigband der Lebenshilfe Tauberbischofsheim, ein Singspiel des hiesigen Kindergartens St. Aloysius, dann präsentierte die Gruppe „Ton Art“ aus Gamburg ihr temperamentvolles Können.
Mit der Musikkaplle Neuses und den Eiersheimer Musikanten endete musikalisch die Dorfweihnacht im Mittleren Dorf in Eiersheim.
So wurde die Eiersheimer Dorfweihnacht zu einem Abend, der weit über einen Adventsmarkt hinausging. Sie war ein Brueghel Moment, ein winterliches Wimmelbild der Gemeinschaft, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart berührten. Ein Fest, das zeigte, wie viel erzählerische Kraft in einem kleinen Ort steckt, wenn Menschen zusammenkommen, die sich kennen – und die sich freuen, einander wiederzusehen.
Roland Schönmüller
BU 1: An zwei Advents-Tagen bot der inzwischen schon legendäre dörfliche Weihnachtsmarkt in Einersheim eine willkommene Gelegenheit zum Gespräch, Genießen und Entspannen in gemütlicher Atmosphäre. Foto Roland Schönmüller
BU 2: Dorfweihnacht mit vielfältigem Rahmenprogramm: Hier die Musikkapelle aus Neuses aus der Nähe von Bad Mergentheim in Aktion. Foto Roland Schönmüller
BU 3: Hauptorganisator Wolfgang Krug freute sich über das abwechslungsreiche, wieder gelungene Programm am vergangenen Samstag und Sonntag sowie über das zufriedene Publikum aus nah und fern. Foto Roland Schönmüller
Glosse und Stimmen:
Plätzchen, Punsch & Posaunenklang – Dorfweihnacht in Eiersheim
Ein winterlicher Brueghel-Moment mit Stimmen aus zwei Generationen
Der Dorfplatz von Eiersheim erstrahlt im festlichen Glanz, als hätte Pieter Brueghel der Ältere persönlich zur Staffelei gegriffen: Kinder tollen zwischen Strohballen, während Eltern mit Glühweinbechern jonglieren und Senioren in wattierten Jacken Geschichten von früher erzählen. Die Dorfweihnacht in Eiersheim, das alljährliche Spektakel für Leib, Seele und Zwerchfell, wirft ihren ganz eigenen Zauber über das kleine Dorf im Badischen.
Es duftet nach Zimt und Mandeln, während der Musikverein beherzt „Ihr Kinderlein kommet“ intoniert – angestimmt, so scheint es, in der Tonlage „leicht daneben, aber mit Herz“. Über dem bunten Treiben liegt eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Weihnachtsidyll und dörflichem Slapstick changiert: Ein Brueghel’scher Wintertraum mit Gummistiefeln und Thermoskanne.
Stimme 1: Die junge Mutter aus Eiersheim
„Für die Kleinen ist die Dorfweihnacht einfach das Größte. Mein Sohn hat beim Basteln einen Tannenzapfen zum Einhorn verwandelt (fragt nicht…) und ich konnte endlich mal in Ruhe einen Zimtstern genießen. Das Schönste ist, dass alle anpacken – vom Kindergartenspiel bis zur Bratwurstbude: Hier kennt jeder jeden, und die Stimmung ist wärmer als meine neue Daunenjacke.“
Stimme 2: Der Senior aus Gamburg
„Früher, da gab’s zu Weihnachten nur ’ne Orange und nen braven Händedruck vom Bürgermeister. Heute spielt die Blaskapelle bis die Lippen bläulich schimmern. Schön, wie sich die Zeiten ändern – Hauptsache, die dörfliche Stimmung bleibt so gut wie immer!“
Buntes Rahmenprogramm – für jeden was dabei
Zum musikalischen Rahmen gehören nicht nur klassische Weihnachtslieder, sondern auch überraschend schwungvolle Versionen von „Last Christmas“. Die Andacht in der kleinen Kapelle sorgt für besinnliche Momente
So klingt, riecht und lebt sie, die Dorfweihnacht in Eiersheim. Ein Fest, das die Generationen zusammenführt, für einen Abend Alltag und Hektik vergessen lässt, und bei dem jeder – ob aus Külsheim, Eiersheim oder Gamburg – mit einem Lächeln nach Hause geht. Man munkelt: Der Weihnachtsmann wurde später noch auf einem Külsheimer Traktor gesichtet. Bis zum nächsten Jahr – und dann bitte mit noch mehr Punsch, Plätzchen und Posaunenklang!
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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