Bildergalerie und Essay.
Februar, Frost, Feuerwehr, Fasching – Fröhliche Farbenspiele im Fadenschein.
- Wenschdorf, Höhenstadtteil von Miltenberg mit dem neuen FFW-Gerätehaus, das am 11.02.2026, sein Richtfest feiert.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Ein poetisch-satirisches Essay bei uns.
Der Odenwald im Februar – eine melancholische Muse im grauen Kleid, die sich zwischen Winterruhe und Vorfrühlingshoffnung räkelt.
Die Bäume stehen wie nachdenkliche Senioren am Wegesrand, ihre Äste gestikulieren wortlos gegen den Himmel, als würden sie nach dem Sinn der trüben Tage fragen.
Die Felder tragen noch das fahle Weiß der letzten Frostnacht, während im Hintergrund ein Trecker hustend erwacht und erste Spuren ins schlummernde Land zieht.
Der Brennholz aus dem nahen Wald holende Odenwälder Landwirt, stets ein Frühlings-Frühstarter, prüft bereits das Potenzial seiner Kartoffeläcker, obwohl selbst der Maulwurf noch Winterschlaf hält.
Doch nicht nur die Landwirtschaft erwacht aus dem Dornröschenschlaf: In Wenschdorf, wo die Zeit manchmal langsamer tickt als anderswo, entsteht ein neues FFW-Gerätehaus: eine Baustelle von beinahe biblischem Ausmaß – zumindest im Maßstab des Dorfes. Hier wird nachhaltig gebaut, was bedeutet, dass der Beton nicht nur ökologisch, sondern auch philosophisch gemischt und Holz preisgünstig und wärmedämmend im Einsatz ist.
Die Handwerker diskutieren bei Kaffee und Baustellenbrötchen, ob das Dach wirklich so grün werden sollte wie der Odenwald im Mai. Aber eine andere, schnellere Plastikdach-Lösung wird angewandt: wasserableitend, leicht, aber per Schraubensystem fixiert, Wind und Wetter trotzend.
In Monbrunn dagegen schrauben sich die Ambitionen sogar bis zur Sonne: Eine Solaranlage wächst, paneelweise, dem Himmel entgegen – nachhaltige Energie auf dem Land, als hätte man die Sonne zur Miete genommen.
Zwischen Baustellenlärm und Landmaschinen-Rhythmus begegnet man einer wandernden Senioren-Schar, deren Schritte so schwer wirkt wie das Wetter.
Wanderer ziehen durch die Landschaft, die Augen halb offen, halb träumend, als ob sie den Frühling mit jedem Schritt herbeiwünschen.
Am Waldrand eine junge Frau, die ihren Hund spazieren führt: Der Hund wälzt sich in Restschnee, während die Frau in Gedanken das nahende Faschingskostüm plant – vielleicht als Giraffe?
Oder doch als Solarpaneel? Die melancholische Stimmung mischt sich mit einem Hauch von Vorfreude – denn hinter jeder winterlichen Wolke lauert das Versprechen von Fasching.
Die letzten Faschingstage, die bunten Gegenspieler zur Tristesse, stehen schon in den Startlöchern.
Die ersten Plakate hängen schief am Dorfbach, Konfetti imaginär im Nebel, Clownsnasen blitzen aus Einkaufstaschen hervor.
Die Dorfgemeinschaft ahnt: Bald wird das Grau von Glitzer übermalt, und statt Baustellenstaub gibt es Schminke auf den Nasen.
Die Vorfreude wächst wie die Solaranlage in Monbrunn – paneelweise, Tag für Tag, bis alle Odenwaldorte rundum explodieren vor Farbe, Kostümen und kollektiver Heiterkeit.
So bleibt der Februar im Odenwald ein Monat zwischen Melancholie und Magie, zwischen Baustellen und Büttenreden, zwischen FFW-Gerätehaus und (Kreis-) Faschingsumzug.
Wer jetzt wandert, sieht zwar noch die Tristesse, spürt aber schon die leise Hoffnung auf Gemeinschaft, Spaß und das große bunte Kostümfest.
Denn im Odenwald weiß man: Nach jeder frostigen Februar-Nacht folgt ein ausgelassener Faschingstag – und am Ende tanzt selbst der Maulwurf mit.
Wenn’s brennt, hilft nur das Ehrenamt.
Die Freiwillige Feuerwehr auf dem Land**
Im ländlichen Raum ist die Freiwillige Feuerwehr weit mehr als eine Einsatzorganisation. Sie ist ein Stück gelebte Dorfdemokratie, ein sozialer Knotenpunkt und das letzte verlässliche Versprechen, dass Hilfe kommt – auch wenn der Rettungsdienst noch irgendwo zwischen Kreisgrenze und Funkloch unterwegs ist.
Die Aufgaben haben sich vervielfacht: Brände sind längst nicht mehr nur Scheunenromantik, sondern heißen heute Lithium-Ionen-Akku, Photovoltaikdach oder brennender E‑Roller. Dazu kommen Verkehrsunfälle, Sturmschäden, Tierrettungen und Hochwasserlagen, die zuverlässig immer dann auftreten, wenn der Bürgermeister im Urlaub ist. Die Feuerwehr ist zur Allzweckwaffe geworden – technisch, menschlich, geduldig.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Digitalfunk, Atemschutz, Drohnen, Einsatzdokumentation. Das Ehrenamt ist professioneller denn je, aber die Mannschaft schrumpft. Wer tagsüber im Büro sitzt, kann nicht gleichzeitig den Schlauch ausrollen. Die Tagesalarmbereitschaft ist vielerorts ein Glücksspiel, Nachwuchs ein Dauerthema, und die Bürokratie wächst schneller als die Dorflinde.
Und doch: Wenn die Sirene geht, kommen sie. Immer.
Weil jemand Hilfe braucht.
Weil Verantwortung kein Hobby ist.
Weil das Dorf ohne sie nicht funktionieren würde.
Die Freiwillige Feuerwehr bleibt damit das, was sie immer war: das Rückgrat der ländlichen Gemeinschaft – humorvoll, hartnäckig, hochprofessionell und manchmal ein wenig müde, aber nie zu müde, um auszurücken.
Das neue Feuerwehrgerätehaus in Wenschdorf setzt ein deutliches Zeichen dafür, wie ein kleiner Höhenort seine Zukunft gestaltet. Der Neubau bietet der örtlichen Wehr erstmals Räume, die den Anforderungen moderner Einsatztechnik gerecht werden und zugleich die besonderen topografischen Bedingungen des Bergdorfes berücksichtigen.
Wo früher beengte Provisorien den Alltag bestimmten, stehen nun bald funktionale Fahrzeughallen, zeitgemäße Hygienebereiche und ein Schulungsraum zur Verfügung, der Aus- und Fortbildung direkt vor Ort ermöglicht. Damit verbessert sich nicht nur die Einsatzbereitschaft, sondern auch die Sicherheit der Ehrenamtlichen, die im weitläufigen Gelände rund um Wenschdorf oft unter anspruchsvollen Bedingungen ausrücken.
Gleichzeitig ist das Gebäude weit mehr als ein reiner Funktionsbau. Mit seiner schlichten, regional verankerten Architektur fügt es sich selbstverständlich in das Ortsbild ein und öffnet sich bewusst auch für die Dorfgemeinschaft. Sitzungen, Proben, Treffen und kleinere Veranstaltungen finden hier einen Ort, der das soziale Leben stärkt und den Zusammenhalt sichtbar macht. So wird das Gerätehaus zu einem Mittelpunkt, der Feuerwehrarbeit, Gemeinschaftssinn und kommunale Wertschätzung miteinander verbindet.
Die Investition der Stadt Miltenberg ist damit nicht nur ein Beitrag zur Gefahrenabwehr, sondern ein Bekenntnis zur Zukunftsfähigkeit des Ortsteils, dessen Engagement und Identität in diesem Bau einen neuen, dauerhaften Ankerpunkt erhalten.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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