Bildergalerie und Essay.
Februarstart in Miltenberg.
- Unterwegs in der Miltenberger Altstadt
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Frostfunkel – Februargrau – Faschingsflimmern.
Der Februar kommt in Miltenberg nicht wie ein Gast, der sich anmeldet. Er steht einfach da, plötzlich, mit seinem kalten Atem, knapp über zwei Grad, und diesem Licht, das sich weigert, eine klare Richtung einzuschlagen. Es ist ein Nachmittag, der sich anfühlt wie ein Zwischenraum: nicht Winter, nicht Vorfrühling, sondern ein graues Dazwischen, das die Stadt in einen langsameren Takt zwingt.
Die Gassen wirken begehbar, aber nicht belebt. Ein paar Besucher schlendern durch die Altstadt, doch die eigentliche Wärme findet sich hinter Fenstern. In den Cafés sitzen die Menschen, die den Rhythmus dieses Monats am besten kennen: Rentnerinnen, Senioren, Paare mit Zeit. Sie bilden eine Art stillen Februarhofstaat, der sich um Cappuccinotassen und Kuchenteller versammelt.
Aus der Ecke beim Fenster dringen zwei Stimmen herüber, vertraut, leicht brüchig, aber mit jener Gelassenheit, die nur aus gelebten Jahrzehnten entsteht.
„Der Februarblues, der hockt mir wieder im Nacken“, sagt die eine.
„Und ich schlaf schlecht, seit Tagen. Die Beine wollen auch nicht mehr so wie früher“, antwortet die andere.
Ein kurzes Lachen folgt, nicht trotzig, eher wissend. Man trägt, was man trägt. Und man teilt es, wenn man kann.
Draußen wartet die Stadt geduldig.
Altpapierbündel stehen an den Ecken, ordentlich verschnürt, bereit für die Müllabfuhr.
Sale-Schilder hängen schief, als hätten sie den Glauben an ihre eigene Überzeugungskraft verloren.
Sonderangebote klappern im Wind, als wollten sie sich selbst Mut zusprechen.
Am Kino klafft die Baustelle – ein offener Rachen aus Gerüst, Planen und provisorischen Wegen. Doch das Programm läuft weiter, trotzig, fast stolz. Miltenberg gibt seine Kultur nicht auf, nur weil ein paar Steine wackeln. Die Plakate an der Wand wirken wie Versprechen, dass Geschichten weiter erzählt werden, selbst wenn der Eingang gerade improvisiert ist.
Zwischen den Läden zeigen sich Leerstellen, Schaufenster wie ausgeatmete Räume. Man sieht hinein und sieht zugleich, was fehlt: kleine Existenzen, die sich aufgelöst haben, Geschäfte, die sich verabschiedet haben, ohne dass jemand wirklich Zeit hatte, es zu bemerken. Wahlwerbung hängt draußen an Laternen, aber nicht im Herzen der Altstadt. Hier regiert der Alltag, nicht die Politik.
Heute ist Lichtmess. Ein Tag, der früher das Ende der Weihnachtszeit markierte und heute wie ein letzter Funken im Ascheregen des Winters glimmt. In den Kirchen stehen noch Krippen, manche hinter Glas, manche in Vitrinen, als wollten sie sagen: Wir gehen gleich, aber noch nicht jetzt. Morgen folgt der Blasius-Segen, am Abend die Gottesdienste. Ein leiser Rhythmus, der sich durch die Stadt zieht, kaum hörbar, aber spürbar wie ein Puls unter dicken Jacken.
Schnee und Eisreste liegen noch herum, als hätten sie vergessen, dass Neuschnee längst passé ist. Gegen Mittag fielen ein paar Flocken – mehr ein Gruß als ein Versprechen. Kalt bleibt es trotzdem, hartnäckig wie ein Gedanke, der sich nicht vertreiben lässt. Der Februar ist ein Monat, der nicht beeindrucken will. Er bleibt, wie er ist: nüchtern, grau, ehrlich.
Kinder und Jugendliche ziehen heimwärts, Rucksäcke schwer, Schritte schnell. Der Februar ist kein Monat zum Bummeln. Er ist ein Monat zum Durchhalten. Die Erwachsenen reden über Fasching, über die Wahl, über die Freude auf ein warmes Zuhause. Über Streiks anderswo, die hier nur als fernes Rauschen ankommen. Alles steht auf Durchzug, alles wartet auf etwas, das noch keinen Namen hat.
Wenn der Tag sich schließlich zurückzieht, bleibt ein Himmel, der sich nicht entscheiden kann. Und dann steigt er auf: der Vollmond, der Schneemond. Ein bleicher Wächter über den Dächern, der das Februargrau silbern färbt und die Stadt für einen Moment entrückt. Miltenberg wirkt dann wie ein Ort, der sich selbst zuhört. Der Fluss schweigt. Die Gassen atmen. Und der Winter hält inne, als wolle er prüfen, ob er bleiben oder gehen soll.
Der Februar antwortet nicht.
Er bleibt, wie er ist:
ein Zwischenmonat, ein stiller Beobachter, ein grauer Freund, der uns durch die Kälte trägt – bis der erste Lichtstrahl des Vorfrühlings wagt, die Stadt zu berühren.
Der Februar legt sich über Miltenberg wie ein grauer Schal, leicht kratzig, aber vertraut. Knapp über zwei Grad, ein Licht, das sich weigert, eindeutig zu sein, und ein Nachmittag, der sich anfühlt wie ein Zwischenraum – ein Atemholen zwischen Winter und Vorfrühling. Die Stadt bewegt sich in einem langsameren Takt, als lausche sie auf etwas, das noch nicht ausgesprochen ist.
Cafés, Stimmen und das leise Summen des Alltags
Die Gassen sind begehbar, aber nicht belebt. Die eigentliche Wärme pulsiert hinter Fenstern. In den Cafés sitzen die Menschen, die den Februar kennen wie einen alten Bekannten: Rentnerinnen, Senioren, Paare mit Zeit. Sie bilden einen stillen Hofstaat des Winters, versammelt um Cappuccinotassen und Kuchengabeln.
Aus der Fensterecke dringen zwei vertraute Stimmen herüber, leise, aber mit jener Gelassenheit, die aus gelebten Jahrzehnten entsteht.
„Der Februarblues, der hockt mir wieder im Nacken.“
„Und ich schlaf schlecht, seit Tagen. Die Beine wollen auch nicht mehr so wie früher.“
Ein kurzes, wissendes Lachen folgt. Man trägt, was man trägt. Und man teilt es, wenn man kann.
Straßenbilder zwischen Baustelle, Ausverkauf und geduldigem Warten
Draußen wartet die Stadt.
Altpapierbündel stehen an den Ecken, ordentlich verschnürt, bereit für die Müllabfuhr.
Sale-Schilder hängen schief, als hätten sie den Glauben an ihre eigene Überzeugungskraft verloren.
Sonderangebote klappern im Wind, als wollten sie sich selbst Mut zusprechen.
Am Kino klafft die Baustelle – ein offener Rachen aus Gerüst und Planen. Doch das Programm läuft weiter, trotzig, fast stolz. Miltenberg gibt seine Geschichten nicht auf, nur weil ein paar Steine wackeln. Die Plakate an der Wand wirken wie Versprechen, dass Kultur sich nicht vertreiben lässt.
Zwischen den Läden zeigen sich Leerstellen, Schaufenster wie ausgeatmete Räume. Wahlwerbung hängt draußen an Laternen, aber nicht im Herzen der Altstadt. Hier regiert der Alltag, nicht die Politik.
Lichtmess – ein spätes Nachglühen der Weihnachtszeit
Heute ist Lichtmess.
Ein Tag, der früher das Ende der Weihnachtszeit markierte und heute wie ein letzter Funken im Ascheregen des Winters glimmt. In den Kirchen stehen noch Krippen, manche hinter Glas, manche in Vitrinen, als wollten sie sagen: Wir gehen gleich, aber noch nicht jetzt.
Morgen folgt der Blasius-Segen, am Abend die Gottesdienste. Ein leiser Rhythmus, kaum hörbar, aber spürbar wie ein Puls unter dicken Jacken.
Schnee und Eisreste liegen noch herum, als hätten sie vergessen, dass Neuschnee längst passé ist. Gegen Mittag fielen ein paar Flocken – mehr ein Gruß als ein Versprechen. Kalt bleibt es trotzdem, hartnäckig wie ein Gedanke, der sich nicht vertreiben lässt.
Junge Stimmen im Februargrau
Und doch, mitten in dieser gedämpften Stimmung, tauchen Stimmen auf, die anderes erzählen.
Eine Grundschülerin hüpft über das Kopfsteinpflaster, die Mütze schief, die Augen hell. Sie freut sich auf die Faschingsveranstaltung in der Schule, auf Konfetti, Krapfen und Kichern. Und als Gardetanzmädchen zählt sie schon die Schritte im Kopf, dreht sich einmal im Gehen, als könne sie den Frühling herbeitanzen.
Ein Realschüler, die Hände tief in den Taschen, geht langsamer. Er erwartet sein Zwischenzeugnis – mit Spannung, mit einem Hauch Nervosität. Er weiß, dass es wichtig ist. Und er weiß, dass es nicht alles ist. Aber heute fühlt es sich an wie ein kleiner Gipfel, den man erklimmen muss.
Ein junger Erwachsener, die Kapuze über den Kopf gezogen, trägt ein Instrumenten-Etui. Er ist Musiker, und bald spielt er beim Kreisfasching in Amorbach. Ein bisschen Lampenfieber, ein bisschen Stolz. Die Musik ist sein Winterfeuer, sein eigenes Lichtmess.
Eine erwachsene Frau bleibt vor einer Bäckerei stehen. Ihr Blick fällt auf die frischen Faschingskrapfen im Schaufenster. Sie lächelt. Manchmal braucht es nicht mehr als Puderzucker und Hefeteig, um einen Nachmittag zu retten.
Und ein Senior, der langsam, aber zielstrebig unterwegs ist, freut sich auf das Lakefleischessen in gemütlicher Vereinsrunde. Ein Ritual, das wärmt – nicht nur den Magen, sondern auch die Erinnerung an frühere Winter, frühere Freunde, frühere Feste.
Der Schneemond über der Stadt
Wenn der Tag sich schließlich zurückzieht, bleibt ein Himmel, der sich nicht entscheiden kann. Und dann steigt er auf: der Vollmond, der Schneemond. Ein bleicher Wächter über den Dächern, der das Februargrau silbern färbt und die Stadt für einen Moment entrückt.
Miltenberg wirkt dann wie ein Ort, der sich selbst zuhört.
Der Fluss schweigt.
Die Gassen atmen.
Und der Winter hält inne, als wolle er prüfen, ob er bleiben oder gehen soll.
Der Februar antwortet nicht.
Er bleibt, wie er ist:
ein Zwischenmonat, ein stiller Beobachter, ein grauer Freund, der uns durch die Kälte trägt – bis der erste Lichtstrahl des Vorfrühlings wagt, die Stadt zu berühren.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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