Bildergalerie und Essay.
Im fränkischen Frühsommer-(Saturday-Night-)"Fever"
- Im Würzburger Hofgarten
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Sommer, Stadt, Schlussakkord.
Würzburg erlebte am Samstag, dem 6. Juni 2026 einen jener Junitage, die sich anfühlen, als hätte der Sommer selbst beschlossen, früher zu erscheinen.
Ein Brückentag, sonnig, warm, leicht – und die Stadt antwortete mit belebten Plätzen, offenen Gesichtern und einer Leichtigkeit, die man eher an Küstenstädten vermuten würde. Die Menschen trugen kurze Kleider, luftige Hemden, gebräunte Haut. Arme, Beine, Rücken, Dekolletés, Tatoos – Würzburg zeigte sich sommerlich, und die Menschen zeigten sich der Stadt.
Auf der Alten Mainbrücke standen weinselige Besucherinnen und Besucher im warmen Wind, der vom Wasser heraufzog. Ein Schulkind kämpfte mit einem schmelzenden Eis, eine Studentin lehnte am Geländer und meinte, die Stadt fühle sich heute „wie ein südlicher Nachmittag ohne Meer“ an. Ein junger Erwachsener fotografierte die Festung, während ein Senior im Schatten der Heiligenfiguren innehielt und sagte, Würzburg habe „seinen Sommerton gefunden“.
Vor der Marienkapelle pulsierte das Stadtleben. Die Mädelsgruppe mit ihren violetten Luftballons stärkte sich an einem Weinfest‑Stand mit Brotzeit und Silvaner, ihr Lachen stieg wie helle Funken in die warme Luft. Eine Bedienung balancierte Tabletts durch die Menge, während in der Kapelle selbst ein Ehepaar zwei Kerzen entzündete – ein stiller Gegenpol zum Trubel draußen.
Eine gutgelaunte Jungmännerrunde zog vorbei, laut, ausgelassen, kurz vor dem Heimweg zum Hauptbahnhof. Am Dom erinnerte die meterhohe Plakatwand „Hab Mut, steh auf“ an den Katholikentag Mitte Mai – ein Satz, der noch immer wie ein Nachhall über dem Platz lag.
Im Hofgarten entfaltete sich die eigentliche Sommerpoesie. Die Mädelsgruppe zog nun mit ihren violetten Ballons weiter, ein schwebender Farbtupfer im Grün. Ein Hochzeitspaar, frisch getraut am 6.6.2026, stand im Licht, begleitet von einem Fotografen, der sie bat, „noch ein Stück ins Gold“. Die Braut hielt ihren Strauß wie ein stilles Leuchten, der Bräutigam wirkte, als könne er kaum glauben, dass dieser Tag ihm gehörte.
Ein paar Schritte weiter lag der Lusamgarten wie ein kühler Atemzug mitten im Sommer. Zwischen romanisch anmutenden Torbögen hüpfte eine Amsel über den Kies. Auf dem Steinsarkophag von Walther von der Vogelweide saß ein junger Erwachsener, las, während der Schatten sich wie ein sanftes Tuch über die Szene legte.
Hier schien ein Vers des Minnesängers wie von selbst in die Luft zu steigen:
„Ich saz ûf eime steine…“
Ein Satz, der in dieser Szenerie nicht erklärt werden muss – er genügt.
Als der Abend kam, sammelte die Stadt ihre Stimmen ein wie ein Orchester, das den letzten Ton vorbereitet. In der Theaterfabrik Blaue Halle hob sich der Vorhang zur Operette "Im weißen Rössl". Das Paar, das zuvor am Alten Kranen entlang geschlendert war, nahm seine Plätze ein, noch erfüllt vom Duft des Mains und dem goldenen Licht des Tages. Die Musik begann, leicht, verspielt, sommerlich wie der Tag selbst.
Draußen dämmerten die Straßen, drinnen glitzerte die Bühne – und für zwei Stunden schien die Welt nur aus Melodie, Witz und Herzschlag zu bestehen.
Sommer, Szene, Schlussbild.
So endete dieser kurze, üppige Junitag: mit einer Stadt, die im Licht stand, im Lachen, im Duft von Wein und Brotzeit, im Schatten alter Mauern und im Glanz einer Operette. Ein Tag, der nicht einfach verging, sondern nachklang – am Main, in den Gassen, in den Herzen derer, die ihn erlebt haben.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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