Bildergalerie und Essay.
Juli im Rückblick, August in der Vorausschau.
- Vierhändiges Tastenspiel von Rachmaninow
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Mais, Messen, Miltenberg – Drei M’s im Sommermodus.
Der Juli verabschiedet sich aus dem Landkreis Miltenberg, aber seine Sonne bleibt wie ein Gast, der den Schlüssel verlegt hat. Früh am Morgen liegt ein goldener Schleier über den Feldern, doch wer näher tritt, erkennt die Müdigkeit des Sommers.
Der Mais steht zwischen Bürgstadt und Kleinheubach wie ein erschöpfter Statist in einem Stück, das zu lange dauert. Die Blätter sind stumpf, manche bereits gelblich, als hätten sie die Farbe verloren wie ein altes Festivalbändchen. Die Stängel wanken, weil der Boden bröckelt – trocken, hart, unnachgiebig.
Ein Landwirt lehnt am Zaun, wischt sich den Schweiß von der Stirn und sagt mit einem Blick, der mehr erzählt als seine Worte:
„Der Regen, der kommt, reicht gerade mal für die Schnecken. Der Mais hat davon nichts.“
Während die Pflanzen dursten, feiert der Mensch. Der Juli war ein Festmonat, ein kultureller Marathon, ein Dauerlächeln im Veranstaltungskalender. Altstadtfeste, Weinfeste, Sportfeste – die Gassen waren voll, die Schoppen kühl, die Stimmung warm.
Besucher drängten sich unter Sonnenschirmen, suchten Schatten wie Schatzsucher und fanden ihn manchmal nur unter dem improvisierten Blätterdach eines Kastanienbaums. Die Winzer lächelten, als hätten sie die Sonne persönlich eingeladen, und die Sportplätze boten staubige Kulissen für schnelle Spiele und Zuschauer, die sich mit Sonnencreme und Mineralwasser bewaffneten.
Auch der Alltag war vom Sommer geprägt. Schüler und Lehrer taumelten in den Endspurt des Schuljahres, begleitet von Abschlussfeiern, letzten Klassenfahrten und einem kollektiven Durchatmen.
Senioren kämpften mit der Hitze, Spaziergänge wurden kürzer, Ventilatoren zu treuen Begleitern. Die hohen Spritpreise dämpften die Reiselust, Gartenpartys ersetzten Fernreisen, und die Eiswürfel im Glas klirrten wie kleine Protestnoten gegen die Teuerung. Der Heizölpreis sank langsam, fast schüchtern, als wolle er sich für die letzten Monate entschuldigen.
Die Freibäder waren die heimlichen Gewinner des Monats. Kinder sprangen, Jugendliche lachten, Erwachsene schlossen die Augen und taten so, als gäbe es keine To‑do‑Liste. Das Wasser war ein Versprechen: „Hier ist es besser.“ In den Städten wurden Schattenplätze zu Premiumimmobilien. Ein Miltenberger Cafébesitzer erzählte mit einem Schulterzucken, das die Lage perfekt zusammenfasste:
„Die Leute fragen nicht mehr nach Cappuccino oder Latte. Sie fragen: Haben Sie Schatten.“
Nun klopft der August an – und er bringt neue Geschichten. Die traditionsreiche Michaelismesse in Miltenberg, Filmabende im Freien, Kooperationen wie Air Concierge, laue Nächte, die nach Programm riechen. Ein Sommer, der trotz aller Hitze nicht müde wird, Geschichten zu erzählen – und Miltenberg und seine Region rundum erzählt sie besonders gern.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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