Bildergalerie und Essay.
Winterweihe, Worte, Wunder.
- Fazit und Lob an die Frühaufsteher: Die Weihnachtsmesse in Eichenbühl-Heppdiel hat einmal mehr bewiesen, wie wertvoll das frühe gemeinsame Feiern für die Dorfgemeinschaft ist. Gerade jene, die sich im ersten Licht des Tages aufmachen, beschenken sich und andere mit ihrer Gegenwart, mit stiller Aufmerksamkeit und echter Verbundenheit. Ihr frühes Erscheinen, die Offenheit für Worte und Wunder und der Mut, sich dem Wintermorgen zu stellen, verleihen dieser Tradition ihre besondere Kraft. Ihnen gebührt ein herzlicher Dank – für ihr Vorbild, ihren Geist und die Wärme, die sie mitbringen. Möge der Zauber dieses milchigen Morgens noch lange nachwirken und uns alle daran erinnern, wie viel Licht und Freude in einem gemeinsamen Anfang liegt.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Eichenbühl-Heppdiel. Ein milchiger Morgen bricht an, als das kleine Dorf Heppdiel, ein Ortsteil von Eichenbühl, im feinen Frostschleier erwacht. Raureif glitzert auf Wiesen und Feldern, knisternd unter den Schuhen der Gläubigen, die sich am zweiten Weihnachtsfeiertag mit roten Wangen und warmen Herzen zur altehrwürdigen St. Mauritius Kirche aufmachen. Von Windischbuchen bis in die umliegenden Orte zieht es Menschen herbei, vereint im feierlichen Gang durch die Kälte.
Zwischen 8:30 und 9:30 Uhr sammelt sich die Pfarrgemeinde in den Bankreihen, während der Atem im Kirchenschiff sichtbar wird. Pfarrvikar Winiarz tritt vor den Altar, seine Stimme fest und freundlich, und eröffnet die Weihnachtsmesse, die in diesem Jahr ein ganz besonderes Licht verströmt. Im Mittelpunkt seiner Predigt steht das Evangelium „Am Anfang war das Wort“ – Worte voller Hoffnung und Verheißung, getragen vom goldenen Schein der Kerzen und der Erwartung stiller Wunder.
Die Kinder versammeln sich, erwartungsfroh und aufgeregt, im Chorraum. Mit segnender Hand und einem Lächeln, das die winterliche Kälte vertreibt, spricht Winiarz seinen Segen über sie – ein zarter Moment, in dem selbst das Licht durch die bunten Fenster wärmer scheint.
Ein weiterer Höhepunkt: die Weihe der mitgebrachten Weinflaschen, Johanniswein, der in klirrender Stille zum Symbol für Freude und Dankbarkeit wird.
Draußen, nach dem letzten Orgelton und dem sanften Verhallen der Stimmen, bilden sich kleine Gruppen im kalten Morgendunst.
Weihnachtswünsche huschen über frostige Lippen, ein paar warme Worte werden gewechselt – Small Talk, der die Gemeinschaft festigt, bevor jeder seinen Weg zurück in die eigene Stube antritt.
Zu Fuß, eng zusammengerückt, oder mit dem Auto über die glitzernde Landstraße: Zurück bleibt das Gefühl, Teil eines leisen, festlichen Wunders gewesen zu sein, das noch lange im Herzen nachklingt.
Fazit und Lob an die Frühaufsteher:
Die Weihnachtsmesse in Eichenbühl-Heppdiel hat einmal mehr bewiesen, wie wertvoll das frühe gemeinsame Feiern für die Dorfgemeinschaft ist. Gerade jene, die sich im ersten Licht des Tages aufmachen, beschenken sich und andere mit ihrer Gegenwart, mit stiller Aufmerksamkeit und echter Verbundenheit. Ihr frühes Erscheinen, die Offenheit für Worte und Wunder und der Mut, sich dem Wintermorgen zu stellen, verleihen dieser Tradition ihre besondere Kraft. Ihnen gebührt ein herzlicher Dank – für ihr Vorbild, ihren Geist und die Wärme, die sie mitbringen. Möge der Zauber dieses milchigen Morgens noch lange nachwirken und uns alle daran erinnern, wie viel Licht und Freude in einem gemeinsamen Anfang liegt.
Der Brauch des Johannisweins hat in Heppdiel und Richelbach einen stillen, aber festen Platz im Jahreslauf. Am Fest des Evangelisten Johannes wird hier wie in vielen Weinlandschaften der Region ein Wein gesegnet – im Andenken an die alte Legende vom vergifteten Kelch, den Johannes durch seinen Segen unschädlich machte. Was andernorts als Randnotiz erscheint, ist in den beiden Dörfern zwischen Odenwald, Spessart und Mainviereck ein kleines Ritual der Verbundenheit geblieben: ein Schluck, der Schutz, Dankbarkeit und Gemeinschaft ausdrückt, ohne große Worte zu benötigen.
In Heppdiel, wo die Kirche seit jeher ein Ort der Nähe ist und die Wege zwischen den Höfen kurz sind, wird der Johanniswein als Zeichen gemeinsamer Fürbitte verstanden. Familien nehmen ihn mit nach Hause, bewahren ihn auf, teilen ihn in besonderen Momenten – ein unspektakuläres, aber tief verwurzeltes Stück Alltagsfrömmigkeit.
Richelbach wiederum, mit seiner lebendigen Vereinskultur und den weit verzweigten dörflichen Beziehungen, knüpft an eine Tradition an, in der der eigene Wein zur Segnung gebracht wird: ein Ausdruck regionaler Identität, der die Rebhänge und Streuobstwiesen der Umgebung ebenso spiegelt wie die Menschen, die sie bewirtschaften.
So verbindet der Johanniswein in beiden Orten liturgische Symbolik mit regionalem Brauchtum. Er steht für die Liebe, die Johannes zugeschrieben wird, für den Schutz, den die Legende verheißt, und für das Miteinander, das die Dörfer im Erftal seit Generationen trägt. Ein kleines Ritual, das – gerade weil es unspektakulär ist – die Kultur dieser Landschaft präzise trifft.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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