Bildergalerie und Essay.
Auf nach Walldürn!
- Auffällig ist in diesem Jahr die Präsenz der Jugend. Gruppen junger Erwachsener, die lachend ankommen und plötzlich still werden, wenn sie den Blutschrein betreten. Jugendliche, die den Weg als Herausforderung sehen und zugleich als Möglichkeit, sich selbst zu begegnen. Man spürt, dass das Pilgern für viele von ihnen eine neue Bedeutung bekommt. Nicht als Pflicht, sondern als Freiheit. Nicht als Tradition, die man erfüllt, sondern als Erfahrung, die man sucht. Es ist eine Bewegung, die weit über Walldürn hinausreicht, sichtbar in Frankreich, in den USA, überall dort, wo junge Menschen wieder nach spirituellen Wegen greifen, die ihnen Halt geben.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Die Wallfahrtszeit im Jahr 2026 hat begonnen.
Walldürn. Der Tag erwacht in einem weichen Licht, das sich über die Dächer von Walldürn legt, als wolle es die Ankommenden behutsam empfangen. Die Straßen wirken wie frisch geöffnet für jene, die sich auf den Weg gemacht haben, und die Schritte der Pilger mischen sich mit dem leisen Murmeln der Stadt. Es ist Wallfahrtszeit, und man spürt sofort, dass dieser Ort in diesen Wochen anders atmet. Die Luft trägt Geschichten, alte wie neue, und jeder, der hier eintrifft, fügt seine eigene hinzu.
Die Geschichte des Blutschreins ist allgegenwärtig, aber sie drängt sich nicht auf. Sie liegt wie ein Grundton unter allem, was geschieht. Wer hierherkommt, bewegt sich in einem Raum, der von Jahrhunderten getragen wird und doch offen ist für die Gegenwart. Die Menschen, die heute pilgern, tun es aus Gründen, die so vielfältig sind wie ihre Gesichter. Manche suchen Ruhe, andere Orientierung, wieder andere eine Bestätigung, dass ihr Weg nicht zufällig ist. Und viele kommen, weil sie spüren, dass dieser Ort ihnen etwas zurückgibt, das sie anderswo verloren haben.
Ein Mädchen aus einer Pilgergruppe aus Erlenbach am Main bleibt kurz stehen, schaut auf die Menschenmenge und sagt, es fühle sich an, als würde man in etwas Größeres hineingehen, ohne genau zu wissen, was es ist. Ein junger Mann aus Collenberg der zum ersten Mal hier ist, spricht davon, dass er unterwegs gemerkt habe, wie gut es tut, nicht allein zu gehen. Eine Mutter aus Miltenberg erzählt, dass sie ihren Kindern zeigen möchte, dass Glauben etwas ist, das man mit den Füßen und nicht nur mit Worten lebt. Ein Mann mittleren Alters aus Eichenbühl sagt, er komme jedes Jahr, weil er hier wieder zu sich finde. Und ein älterer Amorbacher Pilger, der schon seit Jahrzehnten nach Walldürn geht, meint, dass jeder Schritt ihn daran erinnere, wie viel im Leben getragen wird, auch wenn man es nicht immer merkt.
Auffällig ist in diesem Jahr die Präsenz der Jugend. Gruppen junger Erwachsener, die lachend ankommen und plötzlich still werden, wenn sie den Blutschrein betreten. Jugendliche, die den Weg als Herausforderung sehen und zugleich als Möglichkeit, sich selbst zu begegnen.
Man spürt, dass das Pilgern für viele von ihnen eine neue Bedeutung bekommt. Nicht als Pflicht, sondern als Freiheit. Nicht als Tradition, die man erfüllt, sondern als Erfahrung, die man sucht. Es ist eine Bewegung, die weit über Walldürn hinausreicht, sichtbar in Frankreich, in den USA, überall dort, wo junge Menschen wieder nach spirituellen Wegen greifen, die ihnen Halt geben.
In Walldürn fügt sich all das zu einem Bild, das zugleich vertraut und überraschend ist. Die Älteren, die mit ruhigen Schritten gehen, und die Jungen, die mit wachen Augen alles aufnehmen. Die Dankbaren, die Suchenden, die Fragenden. Die Stadt wird in diesen Tagen zu einem Ort, an dem sich Generationen begegnen, ohne dass jemand erklären müsste, warum er hier ist. Der Weg selbst beantwortet vieles.
Am Nachmittag, wenn die Sonne höher steht und die Schatten kürzer werden, liegt über Walldürn ein Gefühl von Bewegung und zugleich von Ankunft. Die Pilger strömen weiter, manche erschöpft, manche erfüllt, manche beides zugleich. Und doch wirkt es, als würde jeder von ihnen ein Stück Leichtigkeit mitnehmen, das er vorher nicht hatte.
Vielleicht ist das die eigentliche Kraft dieser Wallfahrtszeit. Dass sie Menschen zusammenführt, die sonst nie nebeneinander gegangen wären. Dass sie zeigt, wie viel möglich wird, wenn man sich auf einen Weg einlässt. Und dass ein Ort wie Walldürn nicht nur Ziel ist, sondern ein Anfang, der jedes Jahr neu beginnt.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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