Bildergalerie und Essay.
Blutschrein – Bewegung – Begegnung. Eröffnung der Hauptwallfahrtszeit 2026 in Walldürn.
- Als Thorsten Weil, Domkapitular und Offizial aus Freiburg, am Dreifaltigkeitssonntag vor dem Hochamt den Blutschrein feierlich öffnete, wurde aus liturgischer Ordnung ein dichter, beinahe atmender Moment: Geschichte trat aus dem Halbdunkel der Jahrhunderte in die Gegenwart.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
In Walldürn beginnt die Hauptwallfahrtszeit nicht einfach mit einem Termin im Kalender, sondern mit einem Augenblick, der Raum und Zeit für einen Moment stillstehen lässt. Als Thorsten Weil, Domkapitular und Offizial aus Freiburg, am Dreifaltigkeitssonntag vor dem Hochamt den Blutschrein feierlich öffnete, wurde aus liturgischer Ordnung ein dichter, beinahe atmender Moment: Geschichte trat aus dem Halbdunkel der Jahrhunderte in die Gegenwart.
Mit dieser Öffnung begann am 31. Mai 2026 die Hauptwallfahrtszeit in Walldürn, die bis zum 28. Juni 2026 dauert. Sie steht in diesem Jahr unter dem Leitwort „Die Liebe hört niemals auf“ aus dem Ersten Korintherbrief.
Zugleich begeht die Wallfahrtsstadt das Jubiläum „400 Jahre Blutaltar“ – ein Gedenken, das nicht museal wirkt, sondern lebendig, weil es sich mit dem Strom der Pilger verbindet, der auch 2026 wieder zur Gnadenstätte zieht.
Tausende Einzelpilgerinnen und Einzelpilger sowie zahlreiche Gruppen werden in den kommenden Wochen erwartet; viele geistliche Würdenträger haben ihr Kommen zugesagt, um an diesem Ort die Eucharistie zu feiern.
In der Basilika lag an diesem Vormittag eine eigentümliche Spannung: feierlich, aber nicht fern; gesammelt, aber nicht schwer. Besonders auffällig waren die vielen jüngeren Gesichter, die sich neugierig und aufmerksam unter die erfahrenen Wallfahrer mischten. Es war, als trüge der Tag selbst schon jenes Wort in sich, das die Wallfahrt 2026 überschreibt: Liebe nicht als bloße Empfindung, sondern als Bewegung – auf Gott zu, aufeinander zu, auf das hin, was das eigene Leben trägt.
Die Pilgergruppe aus Erlenbach am Main, begleitet von einer Musikkapelle, brachte nicht nur Klang in die Straßen und in die Basilika, sondern auch eine helle, aufmerksame Energie. Die Musik schob sich nicht in den Vordergrund, sie trug vielmehr das Geschehen – wie ein Band zwischen den Generationen. Die Älteren gingen mit der Ruhe vieler Wallfahrtsjahre, die Jüngeren mit einer wachen, offenen Neugier. Und doch fanden beide denselben Schritt.
In seiner Predigt deutete Domkapitular Thorsten Weil die Dreifaltigkeit nicht als fernes theologisches Lehrstück, sondern als Einladung, Beziehung zu wagen. Gott, so ließ sich seine Botschaft hören, sei kein abgeschlossener Gedanke, sondern Bewegung auf den Menschen hin. Gerade darin lag eine stille Aktualität dieses Vormittags: Wallfahrt erschien nicht als nostalgische Geste, sondern als Gegenentwurf zu einer Zeit, die oft an der Oberfläche bleibt. Pilgern heißt, sich auf einen Weg einzulassen, der verlangsamt, sammelt, vertieft.
Diese Erfahrung spiegelt sich auch in den Worten von Pater Josef Bregula, Wallfahrtsleiter in Walldürn. Gemeinsam mit seinem Team der römisch-katholischen Kirchengemeinde Bauland-Odenwald wünschte er allen Pilgerinnen und Pilgern „gute fruchtbringende Wegstrecken“ nach Walldürn – Wege, die im Zeichen der Liebe Gottes gegangen werden und in Begegnungen untereinander, in Segen, Gesundheit und Hoffnung münden. Seine Worte wirkten in einer Zeit vieler Verunsicherungen wie eine leise, aber entschiedene Einladung, sich neu ausrichten zu lassen.
Dass Walldürn dabei mehr ist als ein traditionsreicher Wallfahrtsort, wurde an diesem Dreifaltigkeitstag besonders spürbar. Der Blutschrein, der Blutaltar, das Jubiläumsjahr, die Predigt, die Musik, die erwartungsvollen Gesichter vor der Basilika – all das fügte sich zu einem Bild, das weit über den einzelnen Tag hinausweist. Hier wird Glauben nicht nur erinnert, sondern vollzogen. Hier wird eine alte Form nicht konserviert, sondern neu belebt.
So war die Eröffnung der Hauptwallfahrtszeit 2026 in Walldürn mehr als ein feierlicher Auftakt. Sie galt als ein Zeichen dafür, dass geistliche Orte auch heute noch Kraft besitzen, Menschen in Bewegung zu setzen – innerlich wie äußerlich. Zwischen Blutschrein und Basilika-Platz, zwischen liturgischer Feier und persönlicher Begegnung, zwischen jahrhundertealter Überlieferung und junger Suche entstand etwas, das man vielleicht am besten mit einem einzigen Wort umschreibt: Gegenwart. Und vielleicht ist genau das das bleibende Geheimnis dieser Wallfahrt – dass sie nicht nur von früher erzählt, sondern vom Heute.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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