Der Tod geht jeden an.
Der Toten gedenken

Muss es immer Trauer sein, wie sie als Grundstimmung über den jährlichen Totenfesten des Novembers liegt?
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  • Muss es immer Trauer sein, wie sie als Grundstimmung über den jährlichen Totenfesten des Novembers liegt?
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Der Tod geht jeden an.

Obwohl niemand den Tag und die Stunde kennt, ist bereits mit dem Anfang des Lebens auch sein Ende sicher.

Diese Unausweichlichkeit wird oft nur ungern akzeptiert, nicht selten sogar verdrängt.

Die Todesanzeigen in der Zeitung sprechen jeden Tag eine deutliche Sprache, dass die letzte Stunde in jedem Augenblick schlagen kann.

Das Sterben nahestehender Menschen und der Gedanke an den eigenen Tod betreffen und berühren jeden persönlich unsagbar stark.

In solchen Momenten stellt sich wohl jeder Fragen nach dem Sinn des Lebens und danach, ob und wie es nach dem Tod weitergeht.

Vor selbstzerstörerischer Trauer und Verzweiflung angesichts des Lebensendes kann nur der Glaube bewahren, der Hoffnung auf eine neue Existenz und damit für die Sinnhaftgfkeit des bisherigen Lebens gibt.

Der Toten gedenken

Um die Erinnerung an die Toten wirklich lebendig zu erhalten, ist es wahrscheinlich zu wenig, ihrer einmal jährlich an den üblichen Trauertagen im November zu gedenken.

Selbst die richtige Einstellung zum Sterben und zum Tod während des eigenen Lebens erwerben, bedeutet wohl auch, sich nicht zu scheuen, diesen letzten Dingen etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Zusätzlich zu Gebeten und Totenmessen, wie sie gläubige Menschen als selbstverständlich ansehen, gibt es die Möglichkeit das Grab eines nahen und lieben Verstorbenen selbst zu pflegen.

Auf diese Weise erinnert sich die Familie immer wieder auf eine tätige und natürliche Weise des Verstorbenen.

Gespräche mit Kindern und Jugendliche über die Vergänglichkeit des Lebens ergeben sich aus diesen Tun ganz von selbst.

Außerdem sollten Eltern mit ihren Kindern jährlich öfter einen Besuch mit der ganzen Familie auf dem Friedhof unternehmen.

Dadurch kommt man zu Gesprächen über verstorbenen Familienmitglieder. Außerdem lässt sich der Todestag eines Verstorbenen gedenken.

Erfahrungsgemäß versuchen Kinder schon schon sehr früh sich ein Bild vom Tod zu machen. Dabei sind sie stark von den Überzeugungen und Haltungen abhängig, die ihnen die Erwachsenen und besonders die Eltern vermitteln.

Tod und Sterben sollten also nicht als Tabu behandelt werden, verschwiegen oder in den Hintergrund geschoben werden.

Gerade durch ein verstärktes Gedenken könnte der Todestag vielleicht auch einen anderen Stellenwert und eine andere Qualität gewinnen.

Muss es immer Trauer sein, wie sie als Grundstimmung über den jährlichen Totenfesten des Novembers liegt?

Gab es nicht an den Großeltern, Nachbarn, Freunden, Bekannten und Verwandten viele gute Seiten, Kluges, lustige Einfälle, einen flinken Verstand - also Eigenschaften, an die man sich zum eigenen Nutzen erinnern könnte?

Vielleicht , dass sie dann nicht so sehr Verlust, sondern eher Gewinn sein könnten.

Auf ein Grab

Ein Wind, gütig fächelnd,
lässt Blätter und Tränen verwehn.
Empfange einst lächelnd,
die weinend dir nachgesehn.

Gewesen, nicht vergessen,
erinnert, doch verziehn.

Was uns Besitztum schien,
hat keins von uns besessen,
war höchstens nur geliehn.

JOACHIM RINGELNATZ

 Totensonntag - Ein stiller Feiertag

Erinnerung an die Verstorbenen und Vermächtnis für das eigene Leben

Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag: Der November ist der Monat des Gedenkens. Den Abschluss bildet traditionell der Totensonntag, der Gedenktag der evangelischen Christen für die Verstorbenen.

Der November gilt als „Allerheiligenmonat“, nach dem Feiertag am 1.11. , der ihn eröffnet, aber auch als „Totenmonat“ , der ihn mit dem Toten- oder Ewigkeitssonntag beschließt.

Dazu haben wohl nicht nur der Allerseelen- und Totensonntag beigetragen , sondern vor allem das Sterben und Vergehen in der Natur, das an Bäumen, Blattern, Sträuchern, Wiesen und Wäldern unerbittlich deutlich wird.

Der Totensonntag oder auch das Totenfest ist in den deutschen evangelischen Kirchen der jährliche Gedächtnistag für die Verstorbenen.

Vom Sinn her entspricht er dem Totengedenken, wie es in der katholischen Kirche der Allerseelentag verkörpert.

Allerdings wurde der Totensonntag erst Anfang des 19. Jahrhundert eingeführt.

Wann ist Totensonntag?

Der Totensonntag ist der letzte Sonntag des zu Ende gehenden Kirchenjahres. Das neue Kirchenjahr beginnt jeweils eine Woche später am ersten Adventssonntag. Er fällt stets auf ein Datum zwischen dem 20. und 26. November.

Die evangelische Kirche selbst spricht lieber vom Ewigkeitssonntag und nimmt damit Bezug auf den Glaube an Auferstehung und ein ewiges Leben.

Ursprünge und Bedeutung des Totensonntags im Mittelalter

Die evangelischen Kirchen sehen die Ursprünge des Ewigkeitssonntags in der Reformation.

Als Totensonntag rief ihn König Friedrich Wilhelm III. von Preußen vor rund 200 Jahren aus.

Von 1816 an, nach den verlustreichen Befreiungskriegen gegen Napoleon, sollte am Sonntag vor dem ersten Advent der Verstorbenen gedacht werden.

Bald griffen mehrere Landeskirchen den Vorschlag auf.

Heute werden am Ewigkeitssonntag in vielen Kirchen die Namen der Menschen genannt, die im Jahr zuvor gestorben sind.

Vom Ewigen Leben

Seit der Entwicklung des Kirchenjahres im Mittelalter wurden mit den letzten Sonntagen des Kirchenjahres liturgische Lesungen zu den letzten Dingen verbunden.

Während am drittletzten Sonntag das Thema „Tod“ im Mittelpunkt steht, hat der vorletzte Sonntag die Thematik „(Jüngstes) Gericht“ und der letzte „Ewiges Leben“.

Traditionell thematisiert der letzte Sonntag im Kirchenjahr in besonderer Weise die Erwartung des Jüngsten Tages.

„Wachet auf, ruft uns die Stimme“

Dazu gehört als Sonntagsevangelium das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Matthäus 25).

Es bildet die Grundlage für das Wochenlied, den Choral von Philipp Nicolai „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (EG 147) und die darauf aufbauende Bachkantate gleichen Namens (BWV 140).

Christen nehmen auch in der Gegenwart traditionsgemäß den Tag zum Anlass, die Gräber ihrer Angehörigen zu besuchen und zu schmücken. So hat der Tag für Protestanten eine ähnliche Bedeutung wie Allerseelen am 2. November für Katholiken.

Der Totensonntag findet also seinen Ursprung in der Religion. Für evangelische Christen ist dies ein Tag der Stille und des Gedenkens an die Verstorbenen. Eine der Traditionen sieht den Besuch des Friedhofs vor und das Anzünden von Grablichtern für die Verstorbenen.

Vier Gelegenheiten zur Besinnung

Eine Zusammenschau der ernsten Festtage des November ergibt also mit Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag sowie Totensonntag gleich vier Gelegenheiten zu tiefer Besinnung in einem Monat.

Sie alle erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens. Sie wollen aber auch mit dem Gedenken an liebe Verstorbene zugleich deren Andenken lebendig erhalten.

Schmerz, Trauer, Klage und wehmütige Erinnerung mischen sich mit vielen Gedanken an die
Güte und das Wohlwollen der Verstorbenen, an ihre Lebenskraft, an ihre Leistungen und menschlichen Vorzüge.

Die Toten ehren - das heißt wohl, ihrer in besonderer Weise zu gedenken und zugleich die Erinnerung an sie als Erbe und als Vermächtnis für das eigene Leben aufzufassen.

Ist der Totensonntag ein gesetzlicher Feiertag?

Der Totensonntag ist kein gesetzlicher Feiertag. Es ist ein normaler Sonntag und die Geschäfte haben die gewöhnlichen Sonntagsöffnungszeiten. In Bayern und einigen weiteren Bundesländern gilt der Totensonntag als stiller Feiertag.

Was ist ein stiller Feiertag?

An einem stillen Feiertag gibt es besondere Regeln. So gilt zum Beispiel in Bayern ein Tanzverbot. Dieses würde am 22. November um zwei Uhr morgens starten und bis um Mitternacht gelten. Aufgrund von Corona hat sich das in diesem Jahr jedoch ohnehin erledigt. Laute Musik ist ebenfalls nicht erlaubt.

Totensonntag: Gestecke und Grabschmuck

Mit Blumen drücken Menschen ihre Gefühle aus. Freude, Dankbarkeit, aber auch Trauer und Erinnerung sind ein Grund für Blumen.

So werden auch traditionell am Totensonntag die Gräber der Verstorbenen mit Grabgestecken verziert.

Bei der Verzierung zum Volkstrauertag und Totensonntag waren früher Nelken, Callas und weiße Lilien ein Zeichen der Trauer.

Heutzutage wird eher saisonal dekoriert: Beliebt als jetziger Grabschmuck sind nach wie vor Trockenblumen, Zapfen und Tannenzweige. Dies hat nicht nur einen hübschen Hintergrund, denn mit dieser Abdeckung ist das Grab außerdem in den Wintermonaten vor Kälte und Frost geschützt.

Formen und Farben werden meist individuell ausgesucht, je nach eigenem Geschmack oder der Favoriten des Verstorbenen.

Weihnachtsbeleuchtung: Warum schmückt man erst nach Totensonntag?

Kirchliche Kreise werben dafür, aus Rücksichtnahme auf den Totensonntag mit der Weihnachtsbeleuchtung und den Weihnachtsmärkten erst in der Woche vor dem 1. Advent zu beginnen.

Es wird nicht nur erst nach dem Totensonntag geschmückt, denn auch Weihnachtsmärkte öffnen ihre Tore erst nach diesem Tag. Dabei handelt es sich um ein ungeschriebenes Gesetz der christlichen Kirche.

Mit dem Totensonntag endet also das Kirchenjahr und es wird noch einmal den Verstorbenen angedacht. Erst im neuen Kirchenjahr darf mit der festlichen und fröhlichen weihnachtlichen Vorfreude begonnen werden.

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

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