Bildergalerie und Essay.
Die Idylle trügt: Mahnendes Gedenken an Walter Klingenbeck.
- Walter Klingenbeck war ein junger Mensch, der sein Wissen und sein Gewissen für eine gerechte Sache einsetzte.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
„Ich weiss wofür ich mein Leben lasse.“
Collenberg. Die sommerliche Szenerie präsentiert sich am Untermain zwischen Miltenberg und Wertheim an einem Juli- Sonntagnachmittag vielfältig: Betriebsamkeit herrscht in Bürgstadt beim Straßen- und Hoffest und am nahen Kinderspielplatz sowie in Freudenberg am Main in der städtischen Park-Anlage.
Eilig haben es manche Autofahrer kurz nach Kirschfurt; sie beachten kaum die Geschwindigkeits-Reduzierung und das Überholverbot bei den einstigen Steinbrüchen. Nur wenig Verkehr gibt es dagegen in den beiden Ortsteilen Reistenhausen und Fechenbach selbst.
Am stillen Mainufer genießen einige Einheimische und Touristen vom nahen Campingplatz das sommerliche Flair. Es riecht würzig nach gemähtem Gras und zu Ballen gepresstem Heu. Bei knapp dreißig Grad Celsius weht immer wieder eine wohltuende leichte Brise von den Wäldern des Südspessarts über das Maintal in Richtung Odenwald und Tauber-Region.
Eine Nilgans-Familie schwimmt im Main. Die Vogel-Eltern umsorgen behutsam ihre Küken. Mehr als ein Dutzend Kühe fressen gegenüber auf der Weide am linksmainischen, nordbadischen Ufer und löschen ihren Durst direkt vom sanft dahinziehenden Fluss. Der Schiffsverkehr hält sich in Grenzen- es ist ja Sonntag und weniger los.
Eine introvertierte Frau mittleren Alters ist an der Dreschhalle in eine sicherlich unterhaltsame Lektüre vertieft.
Ein Senioren-Paar schlendert Arm in Arm auf einem Pfad bei drei pausierende Kanus entlang.
Ein älterer Herr bewegt sich - interessiert an Blüten und Brombeeren vorbei - auf einem schmalen Weg zur Spitze einer Altwasser-Halbinsel.
Ein kleiner Bach mündet in den Main: davor knien genüsslich zwei spielende Kleinkinder auf einer Sandbank und bauen hochkonzentriert eine viereckige Wasser-Burg-Anlage aus Schlick, Steinchen und Holzteilchen.
In Ruf- und Sichtweite sitzt die restliche Familie, ein Picknick machend, auf einer Ruhebank.
Zwei Jungen erklären mir den Weg zum Rathaus nahe der Pfarrkirche St. Stephanus und zum Ehrenmal unweit vom Friedhof, wo seit wenigen Monaten eine Gedenktafel für einen NS-Widerstandskämpfer aufgestellt ist:
Es ist eine mahnende Erinnerung an Walter Klingenbeck, dessen Eltern aus Collenberg stammen und die nach München gezogen sind. Walter wurde am 30. März 1924 geboren, erzählt die Bronze-Inschrift, und ist am 05. August 1943 verstorben, genauer hingerichtet worden.
Der Grund wird auch genannt:
„Aufgewachsen in einer christlichen Familie. Mitglied einer Münchner Widerstandsgruppe gegen das NS- Regime. Nach Denunziation am 26.01.1942 verhaftet. Zum Tode verurteilt vom Volksgerichtshof.“ Seine Hinrichtung fand „am 05. 08.1943 im Gefängnis Stadelheim in München statt.“
In Schreibschrift - auf eine Buntsandstein-Kachel an der Mauer eingraviert - findet sich ein Original-Zitat des Widerstandskämpfers: „Ich weiss wofür ich mein Leben lasse.“
Darunter zeigt sich das lebensgroße Symbol-Bild eines Mannes, mit dem Rücken dem Betrachter zugewandt, der mit einem Pinsel ein V (für „Victory“, englisch , auf deutsch „Sieg“) an eine fiktive Wand malt.
Die Idee und die künstlerische Umsetzung oblag dem heimischen Bildhauer Alexander Schwarz. Sein besonderes Anliegen:
Die Gedenkstätte soll auch an andere Widerstandskämpfer während der NS-Zeit erinnern.
[b]Fazit:
- Walter Klingenbeck war ein junger Mensch, der sein Wissen und sein Gewissen für eine gerechte Sache einsetzte.
- Er inspirierte andere und stand zu den Folgen seiner Taten.
- Im Vergleich zu anderen Widerständlern und Widerstandsgruppen im Dritten Reich - wie zum Beispiel der Weißen Rose - sind Klingenbeck und seine Mitstreiter heute weniger bekannt.
- Leider!
Das Leben ist heute - global gesehen - nicht besser geworden und kriegs-und krisengeschüttelt.
Wie gut, dass es Erinnerungen - in Stein verewigt – gibt, die zum Nachdenken und richtigen Handeln anregen.[/b]
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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