Bildergalerie und Essay.
Wenn Blasmusik auf Politik mit brisanten Themen trifft.
- Wenn Hubert Aiwanger heute auf der Michelsmess‘ erscheint, wird sich zeigen, wie viel politische Botschaft in einen Frühschoppen passt. Archivaufnahme 2025.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Hubert Aiwanger kommt zum Handwerkertag auf die Michaelismesse.
Miltenberg, 31. August 2026. Es ist einer jener Messetage, an denen sich das politische Bayern nicht im Plenarsaal, sondern zwischen Festbier, Handwerkergruß und Blasmusik zeigt: Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger wird heute zum traditionellen Handwerkerfrühschoppen auf der Michaelismesse in Miltenberg erwartet.
Zwischen 11 und 13 Uhr soll der Besuch auf dem Festgelände am Main stattfinden – begleitet von MdL Thomas Zöller und im Bierzelt musikalisch gerahmt von der Stadtkapelle Miltenberg.
Der Montag gehört dem Handwerk
Die Michaelismesse, Miltenbergs großes Volksfest am bayerischen Untermain, ist mehr als eine Abfolge aus Fahrgeschäften, Marktständen und Festzeltabenden. Sie ist ein Resonanzraum der Region: Hier begegnen sich Familien, Vereine, Betriebe, Kommunalpolitik und jene bodenständige Öffentlichkeit, die nicht viel Aufhebens um sich macht, aber genau weiß, was sie trägt. Der Handwerkertag am Montag bündelt diese Kraft besonders sichtbar. Wenn die Stadtkapelle Miltenberg um 11 Uhr zum Frühschoppen aufspielt, klingt das nicht nur nach Tradition, sondern auch nach Selbstbehauptung.
Ein Ministerbesuch mit Untertönen
Aiwanger kommt nicht als Ehrengast der Stadt Miltenberg, diese Ehre gebührt nur dem bayerischen Ministerpräsident Markus Söder, sondern auf Einladung seiner Freunde und Bekannten. Im Landkreis - so erklärt auch sich das geplante kurze Grußwort und sein Dirigat mit der Stadtkapelle Miltenberg.
Als Wirtschaftsminister steht er aber für Themen, die im Landkreis Miltenberg längst keine abstrakten Debatten mehr sind: Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel, Betriebsnachfolge, Standortfragen, Infrastruktur und die Zukunft kleiner und mittlerer Unternehmen. Gerade das Handwerk spürt diese Spannungen unmittelbar – in Werkstätten, auf Baustellen, in Bäckereien, Schreinereien, Metallbetrieben und Installationsfirmen. Was in München als wirtschaftspolitische Leitlinie formuliert wird, entscheidet sich hier oft am Monatsende, am Auftragseingang und an der Frage, ob der Nachwuchs kommt oder ausbleibt.
So erhält der Besuch Aiwangers eine doppelte Lesart: vorne die Maßkrüge, hinten die Standortfragen; vorne das Blech der Kapelle, hinten das Dröhnen der Transformationsdebatten. Die Michaelismesse ist dafür eine Bühne von eigener Wahrheit. Sie veredelt Politik nicht, sie erdet sie. Wer hier redet, muss nicht nur Sätze setzen, sondern zuhören können – auf den Klang der Betriebe, auf die Sorgen der Innungen, auf die Ungeduld einer Region, die ihre Leistung nicht als Folklore verstanden wissen will.
Wirtschaftsthemen über Kreisgrenzen hinweg
Brisant ist der Besuch auch deshalb, weil die wirtschaftlichen Fragen längst nicht an der Landkreisgrenze enden. Im Landkreis Miltenberg formieren sich Industriebetriebe angesichts der Energiewende zu neuen Netzwerken:
Der steigende Strombedarf, der Ausbau erneuerbarer Energien, neue 110-kV-Umspannwerke, Eigenstromerzeugung, Batteriespeicher, Geothermie und perspektivisch Wasserstoff sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern Standortpolitik mit unmittelbaren Folgen für Produktion, Investitionen und Arbeitsplätze.
Hinzu kommen Straßenbaustellen, Wohn- und Gewerbeflächenfragen sowie die alltägliche Suche nach Fachkräften.
Im benachbarten Main-Spessart geht es ähnlich um die Frage, wie ländliche Standorte wettbewerbsfähig bleiben: Wirtschaftsförderung, Gewerbeflächen, Technologietransfer, KI-Anwendungen für kleine und mittlere Unternehmen, das Regionalwerk Main-Spessart und neue Förderangebote zeigen, dass Energie, Digitalisierung und Unternehmensnachfolge auch dort die Agenda bestimmen. Zugleich stehen Betriebe vor praktischen Fragen: Wer übernimmt den Betrieb? Wo entstehen neue Flächen? Wie lassen sich Ausbildung, Innovation und bezahlbare Energie zusammenbringen?
Der Raum Aschaffenburg wiederum steht für den exportstarken Bayerischen Untermain – aber auch für eine Wirtschaft, deren Stimmung sich zuletzt eingetrübt hat. Energiepreise, schwache Inlandsnachfrage, ausbleibende Strukturreformen, Bürokratieabbau und Arbeitsmarktfragen belasten Industrie, Handel und Dienstleistung. Gerade weil am Untermain viele Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Export abhängen, wirken internationale Krisen, hohe Kosten und Investitionszurückhaltung bis in die Werkhallen und Büros der Region hinein.
Auf baden-württembergischer Seite, im Neckar-Odenwald-Kreis, rücken andere, aber verwandte Fragen nach vorn: die Zukunft der Kliniken, die Anbindung ländlicher Räume, Schieneninfrastruktur, Berufsschulen, Hochschulstandort Mosbach, Innovationspartnerschaften zwischen Mittelstand und Start-ups sowie LEADER-Förderprogramme. Auch dort entscheidet sich wirtschaftliche Zukunft daran, ob der ländliche Raum nicht nur verwaltet, sondern gezielt entwickelt wird.
Im Main-Tauber-Kreis schließlich verbinden sich Energieeffizienz, Unternehmensnachfolge, Tourismus, Innenstadtentwicklung, Leerstände, Fachkräftegewinnung und Arbeitsmarktentwicklung zu einem wirtschaftspolitischen Brennglas. Projekte wie der EnergieChecker für Auszubildende, Förderlinien für innovative kleine und mittlere Unternehmen oder Beratungen zur Ressourceneffizienz zeigen, wie konkret die Transformation inzwischen geworden ist. Für Handwerk, Handel, Industrie und Kommunen stellt sich dieselbe Grundfrage: Wie bleibt die Region handlungsfähig, wenn Kosten steigen, Personal fehlt und Investitionen zugleich dringender werden?
Der Landkreis als Werkbank und Seismograf
Der Landkreis Miltenberg ist ein Raum, in dem wirtschaftliche Struktur und kulturelle Identität eng ineinandergreifen. Industrie, Handwerk, Weinbau, Tourismus und mittelständische Familienbetriebe bilden kein Nebeneinander, sondern ein Geflecht. Besuche eines Wirtschaftsministers in dieser Region haben deshalb stets mehr Gewicht als ein Höflichkeitsritual. Sie sind Signale: an Unternehmer, die investieren sollen; an Beschäftigte, die Planungssicherheit erwarten; an Kommunen, die um Flächen, Verkehr, Energie und Versorgung ringen.
Die Nachbarlandkreise verstärken diesen Befund. Ob Main-Spessart, Aschaffenburg, Neckar-Odenwald-Kreis oder Main-Tauber-Kreis: Überall verdichtet sich dieselbe Lage in regional unterschiedlichen Ausprägungen. Energie wird zur Standortfrage, Digitalisierung zur Überlebensfrage, Nachfolge zur Strukturfrage, Infrastruktur zur Gerechtigkeitsfrage. Wer beim Handwerkerfrühschoppen über Wirtschaft spricht, spricht deshalb nicht nur über Miltenberg. Er spricht über einen ganzen Wirtschaftsraum zwischen Main, Spessart, Odenwald und Tauber.
Stadtkapelle, Frühschoppen, Gespräche
Für den heutigen Vormittag ist ein Besuch des traditionellen Handwerkerfrühschoppens im Festzelt sowie ein Rundgang über das Messegelände angekündigt. Die Stadtkapelle Miltenberg setzt im Festzelt dazu den Ton: festlich, lokal, unverwechselbar. In dieser Klangkulisse dürfte Aiwanger auf jene Gesprächspartner treffen, die politische Programme nicht nach Parteitagslogik prüfen, sondern nach Alltagstauglichkeit. Das macht den Termin brisant – nicht im Sinne eines Eklats, sondern im Sinne einer verdichteten Gegenwart.
Wenn Hubert Aiwanger heute auf der Michelsmess‘ erscheint, wird sich zeigen, wie viel politische Botschaft in einen Frühschoppen passt. Miltenberg bietet dafür die richtige Szenerie: eine alte Messestadt am Main, ein Fest mit Geschichte, eine Kapelle mit Heimathalt und ein Handwerk, das seinen Platz in der Zukunft nicht geschenkt bekommen will. Der Vormittag verspricht Begegnungen, klare Worte und jene Mischung aus Lokalton und Landespolitik, die nur ein Volksfest hervorbringen kann.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.