Bürgerpreis für die Alltagshelden der Region

Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Thomas Feußner (links) sowie Landrat Jens Marco Scherf und Ehrenamtsbeauftragter Helmut Platz (von rechts) übergaben Bürgerpreise an jeweils zwei Vertreter der Mönchberger Öbbelsammler und der Miltenberger Initiative „Stolpersteine“ sowie den Publikumspreis an das Projekt Miltenbecher.
  • Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Thomas Feußner (links) sowie Landrat Jens Marco Scherf und Ehrenamtsbeauftragter Helmut Platz (von rechts) übergaben Bürgerpreise an jeweils zwei Vertreter der Mönchberger Öbbelsammler und der Miltenberger Initiative „Stolpersteine“ sowie den Publikumspreis an das Projekt Miltenbecher.
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Die Mönchberger Öbbelsammler, die Initiative „Miltenberger Stolpersteine – gegen das Vergessen“ und das Miltenbecher-Projekt sind Träger des Bürgerpreises, den Landkreis Miltenberg und Sparkasse Miltenberg-Obernburg ausgelobt haben. Am Dienstagabend übergaben Landrat Jens Marco Scherf und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Thomas Feußner, im Bürgersaal des alten Rathauses Mönchberg die Auszeichnungen.

Im vollbesetzten Bürgersaal freute sich Feußner über den Erfolg der Aktionswelle „Wir sind mehr“, die auch im Landkreis Miltenberg angekommen sei. So habe die Veranstaltung „Wir sind bunt“ am 14. September mehrere tausend Menschen nach Elsenfeld gezogen. „Unsere Grundwerte sind uns heilig und wir wollen die Gestaltung unserer Welt nicht den anderen überlassen“, stellte Feußner klar und verwies auf 31 Millionen ehrenamtlich Aktive in Deutschland. „Wer sich bürgerschaftlich einbringt, anpackt, organisiert und unser Gemeinwesen aktiv mitgestalten will, der steht nicht abseits und überlässt nicht alles den anderen“, stellte er fest. In der heutigen Zeit könne man nicht genug über die demokratiestärkende Wirkung des bürgerschaftlichen Engagements sprechen, leitete er zur Preisvergabe über. „Sie arbeiten aktiv daran mit, unsere Gesellschaft ein bisschen besser und menschlicher zu machen“, rief er den Preisträgern zu und nannte dies „vorbildlich und auszeichnungswürdig.“ Er sei begeistert von der Vielfalt und Tatkraft der Bewerber, bekannte Feußner und bezeichnete sie als „Alltagshelden unserer Region.“ Der Preis sei nicht nur Anerkennung, sondern solle auch Menschen ermutigen, den Preisträgern nachzueifern. Die Sparkasse wisse, dass gute Ideen nicht reichten, sondern manches Projekt auch finanzielle Unterstützung braucht, sagte der Vorstandsvorsitzende, deshalb sei der Bürgerpreis mit Mitteln aus der Gemeinnützigen Stiftung der Sparkasse dotiert. Als Förderer von Sport, Kultur und

Sozialem im Landkreis Miltenberg stelle die Sparkasse jährlich rund 250.000 Euro bereit. Eine sechsköpfige Jury habe zwei Preisträger ausgewählt, erstmals habe das Publikum auch einen Publikumspreis vergeben, erklärte Feußner.
Die Sparkasse Miltenberg-Obernburg stehe für Verlässlichkeit und besondere Verantwortung, erklärte Landrat Jens Marco Scherf. Die Bank verwende das im Landkreis erwirtschaftete Geld unter anderem für die Stärkung der Grundfesten des Landkreises, den ehrenamtlichen Einsatz. Die Gesellschaft stehe auf drei Säulen, stellte Scherf fest. Dazu gehörten ein verlässlicher Staat, verlässliche Unternehmen, aber auch eine starke und aktive Bürgergesellschaft, die die Grundwerte lebt. Die bürgerschaftlich Engagierten handelten aus freien Stücken, lobte der Landrat und rief ihnen zu: „Sie tun unserem Landkreis gut“.
Helmut Platz, Ehrenamtsbeauftragter des Landkreises, erklärte die Kriterien, die die Jury bei der Bewertung der 16 eingegangenen Bewerbungen angelegt hatte und hielt die Laudationes für die ausgezeichneten Initiativen. Die Miltenberger Initiative „Stolpersteine“ zeige, wie einst Menschen brutal aus der Gesellschaft herausgerissen worden seien, aber sie setze auch Zeichen der Versöhnung. Dr. Jürgen Regensburg stellte die Initiative vor, die in Miltenberg 44 Stolpersteine im Gedenken an Mitbürgerinnen und Mitbürger hat verlegen lassen, die von den Nationalsozialisten ermordet oder in den Tod getrieben wurden. Die Idee gehe auf den Künstler Gunter Demnig zurück, erklärte Regensburg. Im Mai 2016 habe Demnig die ersten Stolpersteine verlegt, weitere folgten im Juni 2017 und im Juli 2018. Mit über 70.000 Stolpersteinen in Europa seien die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Bei den Verlegungen seien auch Angehörige der NS-Opfer anwesend gewesen, erinnerte sich Regensburg, Schülerinnen und Schüler seien ebenfalls involviert gewesen und hätten die Biografien erarbeitet. Georg Bassarab zeigte zahlreiche Bilder, die einen Eindruck von den würdigen Veranstaltungen zur Verlegung der Stolpersteine vermittelten.
Als vorbildliches Projekt, das Ökologie und soziales Engagement verbindet, würdigte Platz die Mönchberger Öbbelsammler. Seit 1986 seien Männer und Frauen ehrenamtlich aktiv, um Äpfel zu sammeln, zu verkaufen und mit dem Erlös gemeinnützige Zwecke zu unterstützen, erklärte Rudolf Heinrich. Anhand zahlreicher Bilder war der Gemeinschaftssinn der Truppe zu erkennen. Denn es wird nicht nur gesammelt, sondern auch gemeinsam gefeiert. So sind in den letzten 32 Jahren fast 200.000 Euro zusammengekommen, rechnete Heinrich vor. Mit dem Geld habe man die Pfarrgemeinde in Mönchberg unterstützt, auch die Pfarrgemeinde aus Schmachtenberg, die Helfer-vor-Ort-Gruppe und den Förderverein zum Erhalt des Mönchberger Schwimmbads. In diesem Jahr hätten 37 Personen im Alter zwischen 56 und 88 Jahren an 31 Tagen Obst gesammelt, wusste Heinrich. Er freute sich über eine diesjährige Rekordernte von 150 Tonnen und einen Rekorderlös von 19.000 Euro.
Mit über 500 von 1200 abgegebenen Stimmen gewann das Projekt Miltenbecher den Publi-kumspreis. Helmut Platz lobte die kreativen Köpfe am Julius-Echter-Gymnasium Elsenfeld, die mit ihren wiederverwendbaren Kaffeebechern Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Bildung verbinden. Für einen Euro Pfand können die Becher bei den teilnehmenden Stellen abgegeben oder befüllt werden. Nach dem Ende ihrer Lebenszeit – mindestens 1000 Mal können sie gefüllt werden – seien sie recycelbar. 43.000 Bäume müssten pro Jahr für Einweg-Kaffeebecher gefällt werden, erklärte Pauline Kowalczyk, insgesamt fielen 40.000 Tonnen Abfall an. Das sei auch deshalb schlecht, weil die herkömmlichen Becher nicht recycelbar seien. Die vom JEG entwickelten Becher seien mittlerweile über 7000 Mal verteilt worden, ständig schiebe man neue Editionen hinterher wie aktuell die Winteredition. Mit dem Projekt wolle man auch zeigen, dass man gemeinsam etwas bewegen kann, sagte Kowalczyk. Mittlerweile hat die Gruppe zwölf Videos produziert, die auf einem eigenen Youtube-Kanal abrufbar sind. Mit dem „Cupsong“ unterhielten fünf Mädchen die Gäste im Bürgersaal und erklärten dabei unterhaltsam das Projekt Miltenbecher.

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