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Die Hälfte liegt schon hinter uns.
- Valentin lässt grüßen
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Halbzeit im Winterstadion – Pauli pfeift zur Umkehr.
Zwischen Damaskuslicht, Bauernregel und sorbischer Vogelhochzeit: ein Tag der Wandlungen – auch im Odenwald.
Der 25. Januar trägt einen Namen, der nach Ernst klingt: Pauli Bekehrung. In der Liturgie erinnert er an das blendende Licht vor Damaskus, das den Christenverfolger Saulus zum Apostel Paulus verwandelte.
Doch draußen, zwischen Schneematsch und Vogelruf, wird er zum Lostag, zur Halbzeitpause im großen Spiel zwischen Frost und Tauwetter.
„An Pauli Bekehr ist der Winter halb hin und halb her“ – so tönt die Bauernregel, als wäre sie der Stadionkommentar eines Jahreszeiten-Derbys.
Die erste Halbzeit: Eis, Schnee, Dunkelheit. Die zweite Halbzeit: Hoffnung, Licht, vielleicht schon ein Hauch von Frühling.
Ob die Sonne scheint oder Regen fällt, entscheidet über die Stimmung auf den Rängen der Natur.
Im Odenwald, wo die Täler noch von Raureif glänzen und die Höhenzüge den Wind wie ein Orchester weitertragen, gilt dieser Tag seit jeher als Wettermarke.
Alte Bauernkalender aus Miltenberg oder Amorbach vermerken ihn als „Winterhalbzeit“, und die Menschen schauten zum Himmel, ob sich die Sonne durch die Wolken bohrt.
In den Dörfern erzählt man, dass Pauli Bekehrung den Rhythmus vorgibt: Noch einmal Holz nachlegen, bevor die zweite Hälfte des Winters beginnt.
Und während hier die Stuben warm und die Felder still sind, entfaltet sich in der Lausitz ein buntes Spektakel: die sorbische Vogelhochzeit. Kinder ziehen als Brautpaar, begleitet von Spatzen und Elstern, durch die Straßen – ein Karneval der Federn, ein Dankeschön an die Vögel für die Winterfütterung.
Ein Fest, das die Halbzeitpause mit Lachen und Gesang füllt, während die Natur ihre Kräfte neu sortiert.
So wird Pauli Bekehrung zu einem Tag der doppelten Wandlung: vom Saulus zum Paulus, vom Winter zur Hoffnung.
Ein Tag, der uns lehrt, dass selbst die härteste erste Halbzeit nicht ohne zweite bleibt – und dass irgendwo zwischen Damaskuslicht, Odenwälder Bauernregel und sorbischer Vogelhochzeit die Pointe des Lebens liegt.
Im Odenwald weiß man: selbst der Frost hat nur eine Halbzeit – und danach spielt das Leben weiter.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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