Neue Kräfte freisetzen - In der Fastenzeit

Geschafft! In der Fastenzeit kann man ganz neue Seiten an sich entdecken. | Foto: Fotolia/Jürgen Fälchle
  • Geschafft! In der Fastenzeit kann man ganz neue Seiten an sich entdecken.
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„Aschermittwoch, Fastenzeit, Buße, Verzicht, das ist doch längst überholt. Ich bin doch kein Fundi.“ Früher befolgte man in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern die strengen Gebote, Speisevorschriften und verzichtete auf „Lustbarkeiten“. Das „Fasten- und Abstinenzgebot“ war als Kirchengebot bei den Altvorderen unumstritten, heute wird es nur selten noch so streng gehandhabt. Wer die Fastenzeit heute aber nur als überholtes Glaubensrelikt sieht, dem entgeht etwas: die Riesenchance, in dieser Zeit neue Seiten an sich selbst zu entdecken.

Fastenzeit als Chance sehen

Ob Fastenkurs oder Entschlackungskur, Verzicht auf Alkohol, Süßes oder das Mobiltelefon: die Fastenzeit bietet sich dafür an, mal etwas anders zu machen als sonst. Auf der Internetseite der evangelischen Fastenaktion „7 Wochen ohne“ heißt es: „Probehalber etwas anders zu machen – auch wenn es schwerfällt – kann die Entdeckung mit sich bringen, dass es anders besser sein könnte. Eine Weile das zu vermeiden, womit wir sonst viel Zeit verbringen und uns besonders im Wege stehen, das setzt Kräfte frei.“ So gesehen, bietet die Fastenzeit jedem Menschen, ob gläubig oder nicht, die Entschleunigung, nach der wir doch alle so sehr streben. Wahrscheinlich ist es sogar egal, auf was man verzichtet, es geht nur darum, etwas zu ändern und aus dem „man müsste mal“ ein „Ich tu es jetzt!“ zu machen. Vielleicht finden sich Gleichgesinnte im Familien- oder Freundeskreis, sodass man sich gegenseitig motivieren kann. 40 Tage (ohne die Sonntage) bis Ostern – das sollte doch zu schaffen sein!

Umfrage: Ist die Fastenzeit ein Thema für Sie? Verzichten Sie auf etwas?

Thomas Becker aus Elsenfeld:
„Ja, ich faste. Ich verzichte nicht in jedem Jahr auf das Gleiche. Mir geht es darum, eingefahrene Gewohnheiten zu überdenken. So hab ich schon auf Fernsehen oder Facebook verzichtet. Das Härteste in dieser Richtung war der Kaffee. Da hatte ich erst mal drei Tage Kopfweh und miese Laune. Das hat mir sehr zu denken gegeben. Seitdem trinke ich deutlich weniger Kaffee.
In diesem Jahr werde ich auf Alkohol verzichten. Auch der Griff in die Nasch-Schublade ist tabu. Der späte Hunger muss dann auch zusehen, wo er bleibt. Mit meiner ,Christbaumkugel‘ kann ich unmöglich raus, wenn im Mai die Schwimmbäder aufmachen. ;-) Zum Thema ,Fasten generell‘ kann ich sagen, ich bin zwar ein sehr gläubiger Mensch, aber der Glaube steht bei mir gar nicht an erster Stelle, wenn es um das Fasten geht. Gerade nach der Weihnachts- und Faschingszeit hat man es sich sehr komfortabel eingerichtet – mit ein paar Kilo zu viel. Was mir auch auffällt ist, dass ich viel Zeit verplempere, die ich wesentlich sinnvoller nutzen könnte, z. B. mit Lesen, Spazierengehen oder Musik hören, eben Dinge, die mich zur Ruhe kommen lassen.
Wenn ich mir dafür Zeit nehme, passiert es von ganz alleine, dass man spürt, was man wirklich braucht und auf was man eigentlich verzichten kann.“

Oliver Frenzl, Küster in der der Kirche St. Josef in Erlenbach:

„Fastenzeit – das bedeutet für mich nicht unbedingt, mich mit dem Essen zurückzuhalten. Natürlich kann man ganz bewusst darauf achten, mal den ein oder anderen Kinderriegel wegzulassen. Genauso, wie man sich in der Früh einmal eine halbe Stunde Zeit geben kann, in Stille darüber nachzudenken, wem ich heute einmal etwas Gutes tun könnte, z. B. der Nachbarin, die alleine wohnt, durch einen Besuch.
Und am Abend einmal über den vergangenen Tag nachdenken: War alles sinnvoll, was ich tat? Hab ich jemandem – vielleicht auch unbewusst – weh getan? Hab ich jemandem helfen oder eine Freude machen können?
Sicherlich schadet es auch nicht, sich einmal in die Kirche zu setzen, egal ob in einem Gottesdienst, oder einmal ganz allein Zwiesprache mit Gott und mir selbst zu halten. Fastenzeit – das hat für mich ganz viel mit ,zur Ruhe kommen‘ zu tun.“
Sabine Schmitt aus Elsenfeld: „Ich esse das ganze Jahr über wenig Fleisch, keine Wurst und keinen Fisch. Daher kann ich auch in der Fastenzeit nicht auf noch mehr Lebensmittel verzichten, ohne die Gesundheit zu schädigen. Für Fernsehfasten oder ähnliche Dinge bin ich einfach zu unreligiös. Auch in meinem ganzen Bekanntenkreis kenne ich niemanden, der fastet. Ich denke, das ist ziemlich aus der Mode gekommen.“

Ingrid Ibehej aus Eichelsbach:
„Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach. Leider! Man nimmt sich schon jedes Jahr vor, etwas weniger von allem, aber meistens schaff ich es doch nicht, länger auf etwas zu verzichten.“

Wilhelm Stieler aus Obernburg:
„Für mich spielt die Fastenzeit keine so große Rolle, denn in meinem Alter muss man sich zwangsläufig mit vielen Dingen zurückhalten. Ich bin zwar ein gläubiger Mensch, doch ist das Fasten eher eine Äußerlichkeit. Viele Menschen kennen die religiöse Bedeutung gar nicht. Ich billige aber jedem zu, die Fastenzeit zu nutzen, um Verzicht zu üben.“

Pfarrer Franz Kraft aus Erlen­bach:
„In der Fastenzeit nehme ich mir die Zeit, um mein derzeitiges Leben zu überprüfen und um mal auf ,den Busch zu klopfen‘. Hier stelle ich mir die Frage: Was kann ich für mich verbessern? Außerdem habe ich mir vorgenommen, dieses Jahr in der Fastenzeit auf Alkohol zu verzichten (ausgenommen sind natürlich die Gottesdienste). Für mich wird Ostern erst dann richtig schön, wenn ich mir mein erstes Weizen einschenken kann.
Die Fastenzeit ist aber auch die Zeit, in der man seinen Konsum einschränken sollte. Der Bund der katholischen Jugend zum Beispiel macht ein CO2-Fasten. Man muss schließlich nicht für jeden Schritt das Auto nehmen. Laufen oder Fahrrad fahren, das kann auch ganz schön sein.
Man muss ja nicht gleich auf komplette Mahlzeiten verzichten, wie der Kartäuserorden es tut (Anm. der Red.: Während der Fastenzeit gibt es nur eine Mahlzeit am Tag). Es reicht durchaus, sich ein wenig einzuschränken. Das kann beim Essen, aber auch beim Fernsehen sein, oder man ist einfach mal weniger online.

Richard Winter aus Aschaffenburg:
„Nein, leider fällt bei mir die Fastenzeit nicht besonders ins Gewicht. Ich hab leider das ganze Jahr mit meinen Kilos zu kämpfen und ich sehe da keinen Unterschied für diese Zeit. Das schlechte Gewissen verfolgt mich also ganzjährig und ich versuche mich zu mäßigen. Was bei mir ganz fern liegt ist z. B. auf TV oder Handy zu verzichten in dieser Zeit. Ich gehe mit diesen Dingen das ganze Jahr über bewusst um und die gute Information am Weltgeschehen erscheint mir da viel wichtiger. Für mich bezieht sich die Fastenzeit also lediglich auf die leiblichen Genüsse. Das hab ich wahrscheinlich aus der Kindheit so übernommen. Da war das Fasten noch üblich. Ich erinnere mich, dass ich Karfreitag manches Mal nachts mit der Schwester vorm Kühlschrank stand und wir auf 24 Uhr warteten.
Aber zu meiner Ehrenrettung weiß ich wenigstens um die eigentliche Bedeutung der Fastenzeit. Da wenigstens bin ich in der heutigen Zeit sicherlich weit vorne ...“

Beatrice Brenner aus Elsenfeld:
„Dieses Jahr werde ich das erste Mal fasten und auf übermäßiges Essen und Alkohol verzichten. Ich habe mein Vorhaben extra in die Fastenzeit gelegt, da ich hier einen ,Haltepunkt‘ habe und einen begrenzten Zeitrahmen, den ich aber nicht selbst festlege. Das Fasten mache ich rein für mich selbst, da ich letztes Jahr auf einer Detox-Kur war und es mir hinterher richtig gut ging. Das motiviert mich noch mehr.“

Friedrich Frank aus Mömlingen:
„Was ist Fastenzeit für mich? Für mich ist die Fastenzeit kein großer Umbruch, denn ich bin kein großer „Fasenachter“. Ich denke, die 40tägige Fastenzeit dient der Vorbereitung auf Ostern, dem Fest der Auferstehung Jesu. Der Glaube an die Auferstehung ist der zentrale Punkt unseres christlichen Glaubens. Ihm in diesen 40 Tagen wieder näher zu kommen und bewusster zu leben, ist mein Wunsch. Von Dietrich Bonhoeffer stammt der Satz ,Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln‘. Ich denke, dies ist eine tröstliche und frohe Botschaft an die Menschen unserer Zeit.“

Peter Mayer aus Collenberg:
„Ich faste jedes Jahr in der Fastenzeit, weil das für mich als Katholik ein gegebener Anlass ist. Während dieser Zeit verzichte ich bewusst auf drei Dinge: Alkohol, Süßigkeiten und Essen nach 20 Uhr abends. Dieser Verzicht funktioniert nur mit einem festen Vorsatz und es braucht dafür einen gewissen Rahmen.
Das Heilfasten habe ich vor einigen Jahren bereits mehrmals gemacht. Dabei habe ich jeweils eine Woche lang gefastet. Ich war während dieser Zeit durch meine Arbeit und Sport gut abgelenkt. So kam ich nicht zum Nachdenken und es hat mich auch nicht beeinträchtigt. Es war trotzdem eine persönliche Herausforderung für mich. Ich wollte wissen, wie das Heilfasten ist, wie ich selbst es empfinde und vor allem, ob ich es hinkriege. Es ist mir schon nicht leicht gefallen und hat Überwindung gekostet. Die ersten beiden Tage waren für die Psyche schwer, dann ging es lockerer und schließlich habe ich mich auf das Fastenbrechen gefreut. Als sehr positiv habe ich das Geschmackserlebnis am Ende empfunden. Das habe ich viel stärker wahrgenommen. Außerdem war das Geruchsempfinden ausgeprägter. Zum einen, weil der Körper selbst während des Heilfastens ausdünstet und daher die Körperpflege wichtig ist. Zum anderen aber, weil ich die Düfte in der Natur viel bewusster und
intensiver wahrgenommen habe. Das war im beginnenden Frühling schon ein tolles Erlebnis.
Generell mache ich Fasten nicht, weil ich abnehmen will, denn ich treibe viel Sport, sondern weil ich meinen inneren Schweinehund überwinden will und weil es mir guttut.“

Holger Weis aus Röllfeld:
„Ich bzw. meine Familie schlagen das ganze Jahr nicht über die Stränge, ernähren uns gesund, immer öfter auch ohne Fleisch, und brauchen deshalb nicht eine irgendwie vorgegebene Zeit, um zu fasten.“

Christine Schuck aus Weilbach:
„Ich habe den Eindruck, dass Fasten derzeit ein großes Thema ist. Man liest darüber und es gibt entsprechende Beiträge im Fernsehen. Das hängt möglicherweise mit der Fastenzeit zusammen, denke ich. Ich persönlich faste jedes Jahr in der Fastenzeit. Einerseits tue ich dies aus religiösen Gründen, weil es guttut, auf etwas zu verzichten und weil es der Psyche das positive Gefühl vermittelt, etwas geschafft zu haben. Andererseits sind der Verzicht auf Alkohol und gewisse Einschränkungen beim Essen auch gut für die
Figur. Aus neueren Studien weiß ich, dass mit Fasten auch eine krebsvorbeugende Wirkung verbunden ist.
Vor einigen Jahren habe ich gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten eine richtige Fastenkur gemacht. Dabei wurde zunächst der Körper entgiftet, anschließend mit Gemüsebrühe, Suppe und Tee gefastet und zum Schluss wieder langsam auf feste Nahrung umgestellt. Gefehlt hat mir in dieser Zeit vor allem das Kauen, das Hungergefühl war gar nicht so schlimm. Während der Fastenkur habe ich mich schlapp gefühlt und gefroren. Wichtig war mir damals der Austausch mit den anderen in der Gruppe. Das tat richtig gut. Insgesamt war die Fastenkur eine sehr tolle Erfahrung.
Fasten ist in allen Religionen zu finden. Mir gefällt es, dass das Thema Fasten bei uns Katholiken offen und lockerer ist. Es ist meines Erachtens besser, wenn es die persönliche Freiheit ist, ob man fastet oder nicht.“

Bernd Winter, Pfarrvikar in Miltenberg:
„Ich faste in der Fastenzeit, die ja auch österliche Bußzeit heißt. Ich verzichte auf Süßigkeiten, wie Schokolade und Gummibärchen. Wenn man in der Fastenzeit auf etwas Bestimmtes verzichtet, besonders auf Dinge, die man sonst genießt und gerne isst, dann macht man sich frei davon. Man merkt, dass es auch ohne diese Genussmittel geht. Dann überdenkt man seine Essgewohnheiten und man konzentriert sich wieder auf wesentlichere Dinge. Im religiösen Sinn ist das Fasten ein Sich-frei-machen von etwas. Da ist die Fastenzeit eine gute Zeit, um das zu üben. Knapp 7 Wochen dauert sie an. Außerdem genießt man nach dieser Zeit, an Ostern dann, die Dinge ganz anders und man schätzt sie wieder besser!“

Jenny Schröder aus Miltenberg:
„Da ich mich das ganze Jahr über abwechslungsreich ernähre, faste ich nicht. Außerdem finde ich das schwierig im Alltag mit zwei Kindern. Am ehesten könnte ich mir vorstellen, auf Alkohol zu verzichten und auf süße Sachen. Vielleicht werde ich irgendwann mal fasten, wenn die Kinder größer sind.“

Ingrid L. aus Kleinheubach:
„Ich habe mir fest vorgenommen zu fasten, auch aus gesundheitlichen Gründen. Ich bin mit dem Thema Fasten groß geworden, bei meinen Eltern ist das sehr verinnerlicht. Ich habe auch versucht, die Tradition des Fastens an meine Kinder weiterzugeben. Ich möchte auf jeden Fall auf Alkohol und Süßigkeiten in der Fastenzeit verzichten.“

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Autor:

Sabine Rindsfüsser aus Miltenberg

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