Bildergalerie und Essay.
Zur Marienverehrung im Oktober bei uns in der Region.
- Marienkapelle in Eichenbühl-Windischbuchen
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Der Oktober gilt in der katholischen Kirche traditionell als Rosenkranzmonat.
Auch in der Pfarreiengemeinschaft St. Antonius Erftal und Höhen rund um Eichenbühl verbindet das Gebet persönliche Besinnung, Gemeinschaft und die Bitte um Frieden.
Die Wurzeln des Rosenkranzes reichen bis ins Mittelalter zurück. Aus Gebetsschnüren zum Zählen von Vaterunsern und Ave-Maria-Gebeten entwickelte sich im 15. Jahrhundert die heute vertraute Form.
Der Gedenktag „Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz“ am 7. Oktober und die Förderung durch Papst Leo XIII. im 19. Jahrhundert prägten den Oktober dauerhaft als Rosenkranzmonat.
In den freudenreichen, lichtreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnissen betrachten Betende zentrale Stationen seines Lebens – von der Menschwerdung über Wirken und Leiden bis zu Auferstehung und Vollendung.
Die vier traditionellen Geheimnisreihen des Rosenkranzes betrachten zentrale Stationen im Leben Jesu und verbinden sie mit Vertrauen, Hoffnung und Gottes Nähe.
Der freudenreiche Rosenkranz erinnert an die Verkündigung an Maria, ihren Besuch bei Elisabeth, die Geburt Jesu, seine Darstellung im Tempel und sein Wiederfinden als Zwölfjähriger.
Der 2002 ergänzte lichtreiche Rosenkranz richtet den Blick auf die Taufe Jesu, die Hochzeit zu Kana, die Verkündigung des Reiches Gottes, die Verklärung und die Einsetzung der Eucharistie.
Der schmerzhafte Rosenkranz begleitet Jesus vom Gebet am Ölberg über Geißelung, Dornenkrönung und Kreuzweg bis zur Kreuzigung und schenkt Trost im Leid.
Der glorreiche Rosenkranz betrachtet Auferstehung, Himmelfahrt, Geistsendung sowie Aufnahme und Vollendung Mariens bei Gott und bezeugt, dass Tod und Leid nicht das letzte Wort haben.
Eine besondere Bedeutung hat heute der Friedensrosenkranz. Er ist keine eigene festgelegte Geheimnisreihe, sondern verbindet das vertraute Gebet mit konkreten Anliegen für Menschen in Kriegsgebieten, Verfolgte, Verwundete, Geflüchtete und alle, die sich für Versöhnung einsetzen. Zugleich erinnert er daran, dass Frieden im eigenen Herzen, in Familien und Gemeinden beginnt.
Rosenkranzandachten im Oktober verbinden das gemeinsame Gebet mit Liedern, Schriftlesungen, kurzen Betrachtungen und Fürbitten.
Für die Pfarreiengemeinschaft St. Antonius Erftal und Höhen ist der Oktober deshalb mehr als die Erinnerung an eine alte Frömmigkeitsform.
Das gemeinsame Gebet verbindet die Orte und Generationen der Gemeinschaft. Es gibt Raum für Dank und Trauer, Hoffnung und Fürbitte – und hält die Sehnsucht nach Frieden wach. So bleibt der Rosenkranz ein schlichtes, aber kraftvolles Zeichen gelebten Glaubens.
Gerade in unruhigen Zeiten schenkt die feste Form des Rosenkranzes Orientierung. Ob allein, unterwegs, zu Hause oder gemeinsam in der Kirche: Eine Perle nach der anderen, ein Gebet nach dem anderen – und für einen Augenblick wird es still genug, um Hoffnung zu hören.
Roland Schönmüller
Exkurs: Wo der Odenwald zu Maria spricht.
Lourdesgrotten, Marienverehrung und Volksfrömmigkeit zwischen Miltenberg und Walldürn.
Von den Pyrenäen in den Buntsandstein: Wie ein französischer Erscheinungsort im späten 19. Jahrhundert seine steinernen Abbilder in Franken und im badischen Odenwald fand – und warum diese stillen Grotten bis heute mehr erzählen als fromme Legenden.
Man muss nur wenige Schritte aus dem Dorf, an den letzten Gärten vorbei und unter das grüne Dach des Waldes gehen. Dann steht sie da: eine Nische aus Stein, eine weiß gekleidete Maria mit blauem Gürtel, zu ihren Füßen die kniende Bernadette. Davor Blumen, Kerzen, manchmal ein Rosenkranz, bisweilen eine kleine Tafel mit einem einzigen Wort: „Danke“. Die Lourdesgrotte ist ein stilles Bühnenbild des Glaubens – und zugleich ein Stück europäischer Kulturgeschichte im Kleinformat.
Ein Bild geht um die Welt.
Der Ursprung liegt im südfranzösischen Lourdes. Zwischen dem 11. Februar und dem 16. Juli 1858 berichtete die 14-jährige Bernadette Soubirous von 18 Erscheinungen an der Grotte von Massabielle. 1862 erkannte der Bischof von Tarbes die Erscheinungen kirchlich an; 1864 wurde dort die von Joseph-Hugues Fabisch geschaffene Marienfigur aufgestellt. Ihre Bildform – weißes Gewand, blauer Gürtel, gefaltete Hände – wurde zu einer der bekanntesten religiösen Ikonen der Moderne.
Mit Eisenbahn, Wallfahrtswesen, Andachtsbildern und Devotionalien verbreitete sich Lourdes rasch über Europa. Besonders vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert entstanden Nachbildungen in Kirchen, auf Friedhöfen, an Wegkreuzungen und Waldrändern. Rund 200 solcher Grotten sind allein in Deutschland bekannt. Häufig gingen sie auf private Gelübde zurück: auf Dank für Heilung, Rettung aus Gefahr oder die Heimkehr aus dem Krieg.
Ein Freilichtzimmer der Volksfrömmigkeit.
Volkskundlich betrachtet ist die Lourdesgrotte keine bloße Kopie. Sie übersetzt einen fernen Wallfahrtsort in die eigene Landschaft. Aus Tuff, Feldstein oder heimischem Sandstein entsteht ein sakraler Nahraum: erreichbar nach Feierabend, offen ohne Kirchentür, eingebettet in Wald, Quelle und Weg. Die Grotte verbindet Naturfrömmigkeit mit katholischer Bildkultur. Kerzen, Maiblumen, Votivtafeln und Prozessionen machen sie zu einem „Andachtsarchiv“, in dem persönliche Not und gemeinschaftliche Erinnerung sichtbar werden.
Gerade in Franken fügt sich dieser Grottentyp in eine ältere Marienlandschaft ein. Bildstöcke, Hausmadonnen, Kapellen und Wallfahrtswege bilden ein dichtes Netz; der Fränkische Marienweg beschreibt es als historischen Raum zwischen Main, Tauber und Odenwald. Die Lourdesgrotte brachte in dieses überlieferte Gefüge einen modernen, international wiedererkennbaren Bildtyp ein – gewissermaßen die religiöse Bildsprache des 19. Jahrhunderts.
Roland Schönmüller
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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