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Der Würzburger Katholikentag hat begonnen.

Der Himmel wechselte zwischen Sonnenglanz und Regenschauern, als wolle er das Motto „Hab Mut, steh auf!“ selbst inszenieren.
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  • Der Himmel wechselte zwischen Sonnenglanz und Regenschauern, als wolle er das Motto „Hab Mut, steh auf!“ selbst inszenieren.
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Mut, Mensch, Main – kraftvoller Auftakt des aktuellen Katholikentags.

Würzburg erlebte am ersten Tag des Katholikentags einen Auftakt, der weniger wie eine Eröffnung wirkte als wie ein Aufbruch: Der Himmel wechselte zwischen Sonnenglanz und Regenschauern, als wolle er das Motto „Hab Mut, steh auf!“ selbst inszenieren. Auf dem Residenzplatz drängten sich rund 9.000 Menschen, Regenschirme wie Farbtupfer über der Menge, und doch blieb die Stimmung heiter – fast trotzig, als hätte die Stadt beschlossen, sich von ein paar Tropfen nicht beirren zu lassen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete den Katholikentag mit einem Satz, der sofort hängen blieb: Er habe das Motto nicht ganz so meteorologisch gemeint. Danach wurde er ernst. Christen sollten sich nicht in Ohnmacht hineinreden, sagte er, und eine Welt ohne Hoffnung sei nicht die Welt des Glaubens. Mut mache ihm der Papst, ein „unerschrockener Verkünder von Gerechtigkeit und Frieden“. Seine Worte wirkten wie ein ruhiger Grundton, der den Abend zusammenhielt.

Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, verband das Motto mit einem klaren Appell: Aufstehen für die Demokratie. Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig brachte die große Debatte auf fränkischen Boden: Demokratie zeige sich im Alltag, etwa wenn Wohngeld pünktlich ausgezahlt werde oder Schultoiletten funktionierten. Ein Satz, der im Regen erstaunlich gut wirkte, vielleicht weil er so unprätentiös war.

Dann trat Markus Söder auf mit markantem Akzent in diesem vielstimmigen Abend. Der Katholikentag sei „ein wichtiges Zeichen in schwierigen Zeiten“, sagte er, und Religion nicht nur Tradition, sondern Orientierung. Er warnte davor, dass „die Lauten die Mehrheit übertönen“, ein Satz, der sowohl politisch als auch innerkirchlich verstanden werden konnte. Söders Worte wirkten wie ein Spiegel der Stimmung: ein Land zwischen Erschöpfung und Erwartung, auf der Suche nach Halt.

Zwischen den großen Reden mischten sich Stimmen aus dem Publikum, die das Bild abrundeten.
„Ich bin wegen der Atmosphäre hier“, sagte Bianca, eine junge Frau aus Miltenberg, „nicht wegen der Politik. Aber es tut gut, dass mal jemand Mut einfordert.“
Georg, Senior aus Amorbach, meinte: „Ich will hören, wie die Kirche sich verändern will. Sonst bleibt alles beim Alten.“
Und Johannes aus Eichenbühl, Anfang dreißig, der sich unter einem tropfenden Regenschirm duckte, lachte: „Wenn der Himmel schon mitdiskutiert, kann’s ja spannend werden.“

Einer der eindrücklichsten Momente kam von Dr. Angela Kunze-Beiküfner, Zeitzeugin der friedlichen Revolution. Die Machthaber der DDR hätten mit vielem gerechnet, sagte sie, aber nicht mit Kerzen und Gebeten. Ihr leiser Tonfall setzte einen Kontrapunkt zu den politischen Reden und erinnerte daran, dass Mut oft unspektakulär beginnt.

Für die heitere Note sorgten die „Turedancer“ aus Zellingen, ein Männerballett, das als Nussknacker verkleidet über die Bühne wirbelte. Ein Auftakt, der zeigte, dass der Katholikentag Humor nicht scheut und Würzburg bereit ist, auch die leichten Töne zuzulassen.

Thematisch wurde bereits am ersten Abend deutlich, wohin die Reise geht: Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt, Krieg und Frieden, Klimakrise, innerkirchliche Reformen und die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Die Mischung aus politischer Ernsthaftigkeit und kultureller Leichtigkeit verlieh dem Auftakt eine besondere Spannung.

Würzburg präsentierte sich an diesem ersten Tag als Stadt, die Gegensätze nicht scheut. Barocke Kulisse und politische Debatten, Regenschauer und Aufbruchsstimmung, Männerballett und Bundespräsident, Pathos und Pragmatismus – all das fügte sich zu einem lebendigen Bild. Der Residenzplatz wurde zum Resonanzraum für Mut, nicht als Parole, sondern als Haltung. Mut, trotz Regen zu bleiben. Mut, trotz Krisen zu sprechen. Mut, trotz politischer und kirchlicher Bruchlinien weiterzugehen.

Der erste Tag des Katholikentags war kein stiller Auftakt, sondern ein vielstimmiges, manchmal widersprüchliches, aber durchweg lebendiges Signal. Würzburg hat sich geöffnet, bereit für fünf Tage voller Gespräche, Begegnungen und vielleicht auch neuer Einsichten.

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

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