Bildergalerie und Essay
Die Kindheit sagt an Halloween hallo.
- Süßes oder Saures? Mal aus einer anderen Perspektive!
- hochgeladen von Roland Schönmüller
🎃 Was ist Halloween – und warum grinsen Kürbisse so komisch?
🕸️ Der Ursprung in aller Kürze
Halloween kommt ursprünglich aus Irland.
Vor vielen hundert Jahren glaubten die Menschen, dass in der Nacht vom 31. Oktober die Geister unterwegs sind.
Um sie zu vertreiben (oder zu beeindrucken), zündete man Feuer an, verkleidete sich und schnitzte gruselige Fratzen in Rüben.
Ja, Rüben! Der Kürbis kam erst später – weil er sich viel besser schnitzen lässt und nicht so muffig riecht.
🎃 Der Kürbisgeist – auch bekannt als „Jack O’Lantern“:
• Jack war ein schlauer, aber ziemlich frecher Typ aus einer alten Legende.
• Er trickste sogar den Teufel aus – und durfte danach weder in den Himmel noch in die Hölle.
• Also wanderte er mit einer glühenden Kohle in einer ausgehöhlten Rübe durch die Dunkelheit.
• Heute leuchtet Jack in Kürbisform – mit Zähnen, Augen und manchmal sogar Schnurrbart.
🧛♀️ Warum verkleiden wir uns?
• Um die Geister zu verwirren – oder um selbst einer zu sein!
• Hexen, Vampire, Skelette, Kürbisse, sogar wandelnde Gummibärchen sind erlaubt.
• Hauptsache: gruselig oder lustig. Oder beides.
🍬 Süßes oder Saures – was soll das?
• Kinder ziehen von Haus zu Haus und sagen: „Süßes oder Saures!“
• Das heißt: Gib uns was Leckeres – sonst spielen wir dir einen kleinen Streich.
• Aber keine Sorge: Die Streiche sind harmlos. Meistens. (Außer jemand hat Klopapier übrig…)
🧓 Und was machen die Erwachsenen?
• Manche verkleiden sich selbst – als Geister, Besenmänner oder Kartoffelwesen.
• Andere erzählen Geschichten von früher: vom Fensterklopfen, vom Kompoststurz, vom Klingelmut.
• Und viele freuen sich einfach, wenn es wieder heißt: Klopf-klopf – die Kindheit sagt Hallo.
📰 „Klopfgeschichten – Halloween damals und heute“
Zwischen Misthaufen, Klingelmut und Kürbislicht: Ein Rückblick aus der Kastanienallee.
Teil 1: Die 1960er – Klopfen mit Herzklopfen
Damals gab’s kein Halloween, wie man es heute kennt. Aber es gab Mutproben. Und Klopfaktionen. Wir zogen los – mit selbstgebastelten Masken aus Pappkarton, Taschenlampen aus Vaters Werkstatt und einem Ziel: die Fenster der Erwachsenen. Klopfen, wegrennen, lachen – und hoffen, nicht erwischt zu werden.
Einmal klopfte ich bei Herrn S., dem Schreiner mit dem steifen Bein. Er kam schneller als gedacht. Ich rannte, stolperte – und landete im Misthaufen der Familie H. Meine Freunde lachten. Ich roch wie ein Komposthaufen auf Wanderschaft. Am nächsten Tag gab’s eine Strafe: Misthaufen umgraben. Aber auch ein Bonbon von Frau H., mit den Worten: „Für den Mut.“
Teil 2: Heute – Klingeln mit Kürbislicht
Heute sitze ich selbst am Fenster. Die Kinder kommen verkleidet, rufen „Süßes oder Saures“, und ich gebe ihnen Bonbons – und Geschichten. Sie hören zu, wenn ich vom Kartoffelgeist erzähle, vom Besenmann, vom Kompoststurz. Und manchmal, wenn’s ganz leise ist, klopft jemand ans Fenster. Nicht laut. Nur ein kleines klopf-klopf. Ich lächle. Und öffne.
Zwischen den Zeiten
Was sich verändert hat? Die Kostüme sind bunter, die Süßigkeiten vielfältiger, die Regeln klarer. Was geblieben ist? Das Herzklopfen. Das Lachen. Die Geschichten, die man sich später erzählt – am Küchentisch, im Gemeindeheft, oder hier, in der Kastanienallee.
Epilog:
Halloween ist nicht nur ein Fest. Es ist ein Echo. Ein Echo der Kindheit, das jedes Jahr wiederklopft. Und wenn man genau hinhört, hört man es: klopf-klopf – die Vergangenheit sagt Hallo.
🎃 Halloween und Kürbisgesichter – eine profunde Gegenperspektive
Halloween, einst ein irisch-amerikanisches Brauchtum, hat sich in Deutschland zu einem kommerziellen Großevent gewandelt – mit Kürbisfratzen als ikonischem Symbol.
Doch hinter dem leuchtenden Lächeln der „Jack O’Lanterns“ regt sich auch Kritik, die tiefer geht als bloße Ablehnung von Kommerz oder US-Kultur.
🕯️ Kulturelle Kritikpunkte – jenseits von „Spaß oder Saures“
• Verdrängung regionaler Bräuche
Halloween fällt auf den Vorabend von Allerheiligen – einem christlichen Gedenktag, der in vielen Regionen mit stillen Ritualen und Friedhofsbesuchen begangen wird. Kritiker sehen in der schrillen Halloween-Inszenierung eine Verdrängung dieser stillen Erinnerungskultur.
• Kommerzialisierung und Eventisierung
Mit über 300 Millionen Euro Umsatz allein in Deutschland (2025) ist Halloween nach Weihnachten der umsatzstärkste Feiertag. Kürbisse, Kostüme und Dekoartikel werden zur Massenware – oft ohne Bezug zur ursprünglichen Symbolik.
• Romantisierte Mythen statt historischer Tiefe
Die oft behauptete Verbindung zu keltischen Totenkulten (Samhain) ist historisch kaum belegbar. Vielmehr handelt es sich um eine moderne Re-Import-Tradition irischer Auswanderer, die im 19. Jahrhundert in den USA entstand.
• Okkultismus und Entfremdung
Kirchenvertreter warnen vor einer „Verlust des Sinns für das Echte und Ursprüngliche“ – Halloween als Fest der Geister und Dämonen könne Kinder in eine Welt des Okkulten führen, die mit christlicher Ethik schwer vereinbar sei.
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🎭 Kürbisgesichter – Symbolik im Wandel
• Von der Rübe zur Kürbisfratze
Ursprünglich wurden glühende Kohlen in ausgehöhlte Rüben gesetzt, um böse Geister fernzuhalten. Der Kürbis setzte sich erst in Amerika durch – größer, leichter zu schnitzen, medienwirksamer Omas.
• Jack O’Lantern – Legende oder Marketing?
Die Geschichte vom geizigen Hufschmied Jack, der den Teufel überlistet und mit einer glühenden Kohle in einer Rübe durch die Dunkelheit wandert, ist eine irische Legende – heute oft als folkloristische Rechtfertigung für die Kürbisfratze genutzt.
• Kürbis als Bühne für Kreativität – oder als leere Hülle?
Während manche die Kürbisschnitzerei als kreatives Ritual feiern, sehen andere darin eine ästhetisierte Leere – ein Symbol, das seine ursprüngliche Schutzfunktion verloren hat und nun nur noch dekorativ wirkt.
🧠 Gegenbewegungen und Alternativen
• Nachhaltige Varianten
Immer mehr Familien setzen auf wiederverwendbare Deko, selbstgebastelte Kostüme und regionale Herbstfeste mit Gruselelementen – eine Rückbesinnung auf Gemeinschaft und Handwerk.
• Ritual statt Rummel
Einige Initiativen versuchen, Halloween mit lokalen Gedenkkulturen zu verbinden – etwa durch stille Lichteraktionen, Friedhofsführungen oder Erzählabende mit regionalen Sagen.
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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