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LANDRATSWAHL MILTENBERG 2020
„Seit ich Landrat bin, sehe ich in einer besseren kinderärztlichen Versorgung für unsere Familien eine meiner Hauptaufgaben. Jetzt haben wir 2 neue Kinderarztsitze im Landkreis durchgesetzt!“

Jens Marco Scherf, Landrat des Landkreises Miltenberg.

Gute Pflege, mehr Kinderärzte und Nachwuchs für die Landarztpraxen: Das und noch mehr verspricht sich der Landkreis Miltenberg durch die „Gesundheitsregion plus“. Landrat Jens Marco Scherf (45) erläutert im Interview, warum ihm die gute Gesundheitsversorgung der Menschen im Landkreis am Herzen liegt, was dafür getan wird und was bereits erreicht wurde.

Herr Scherf, was bedeutet es, dass der Landkreis eine „Gesundheitsregion plus“ ist?

„Wenn wir auch in Zukunft im Landkreis Miltenberg gut leben wollen und wenn wir auch in Zukunft ein attraktiver Wirtschaftsstandort sein wollen, brauchen wir neben guter Mobilität, guter Bildung oder einer intakten Natur eine gute Gesundheitsversorgung! Deshalb habe ich im Jahr 2015 dem Kreistag vorgeschlagen, ,Gesundheitsregion plus‘ zu werden. Dieses Projekt, einstimmig und parteiübergreifend unterstützt, ist nun 5 Jahre alt und wird 5 weitere Jahre gefördert.
Was bringt uns dieses Projekt? Wir müssen alle Kräfte im Landkreis Miltenberg bündeln, um den Menschen ein gutes Gesundheitsangebot und eine gute Pflege bieten zu können. Dafür holen wir alle Beteiligten an einen Tisch. Als es beispielsweise 2015 mit der Notaufnahme Probleme gab, habe ich das Krankenhaus, den Rettungsdienst und niedergelassene Ärzte an einen Tisch geholt. Das war quasi der Vorläufer der Arbeit in der Gesundheitsregion. Heute arbeiten wir z. B. an den Grundlagen einer guten Pflege oder für die nächste Generation junger Ärztinnen und Ärzte für den Landkreis Miltenberg. Damit engagieren wir uns direkt für die Zukunftschancen unserer Heimat, denn nur mit einer guten Gesundheitsversorgung werden wir ­attraktiv für junge Menschen und für Fachkräfte sein, die die qualifizierten Arbeitsplätze in unseren Unternehmen besetzen sollen.“

Was hat sich in den letzten 5 Jahren im Bereich Gesundheit/Pflege getan? 

„Um Nachwuchs im Gesundheitswesen für den Landkreis zu gewinnen, haben wir verschiedene Konzepte und Initiativen entwickelt. Mit dem ,PflegeNetz Landkreis Miltenberg‘, dem Konzept ,Main.Landarzt‘ und der AG Heilmittelerbringer erarbeiten wir passgenaue Lösungen für unseren Landkreis, um auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten im Bereich der Gesundheitsversorgung und Pflege gut aufgestellt zu sein. 

Fast alle Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in unserem Landkreis sind dem PflegeNetz beigetreten, um gemeinsam für den Pflegeberuf zu werben und die vorhandenen Pflegekräfte länger als bisher in ihrem Beruf zu halten. Das PflegeNetz tritt u. a. regelmäßig auf Ausbildungs- und Berufsmessen auf, spricht mit dem Wahlunterrichtsfach „WAKAMATU“ („Was kann man tun“, Anm. d. Red.) unsere Schülerinnen und Schüler an und veranstaltet jährliche Pflegetalks für die Pflegekräfte aus unserem Landkreis. Dank der starken Positionierung der Kreis­politik konnte ich 2018 dafür Sorge ­tragen, dass mit Einführung der generalistischen Pflege unsere beiden Fachschulen für Altenpflege und Krankenpflege einen ­gemeinsamen Weg finden und die Anzahl der Ausbildungsplätze gleichbleibt.“

Neben der Pflege betreffen viele Klagen die Hausärzteversorgung im Landkreis. Was konnte hier konkret erreicht werden?

„Eine Stärke der Gesundheitsregion plus ist es, dass wir gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten, dem Krankenhaus, den Kassen und auch der Kassenärztlichen Vereinigung an einem Tisch sitzen. So konnten wir die Gründung und Entwicklung des Weiterbildungsverbundes für Allgemeinmedizin positiv begleiten. Gemeinsam haben wir darüber hinaus das Konzept ,Main.Landarzt‘ entwickelt, um auf unsere Angebote für junge Ärzte im Landkreis aufmerksam zu machen und sie für den Landkreis zu gewinnen. Auf unserer Website www.main-landarzt.de können sich interessierte junge Ärztinnen und Ärzte, aber auch Schülerinnen und Schüler sowie Medizinstudierende über unsere Angebote und freie Stellen informieren.“

Gibt es dadurch erste Erfolge in der Ärzteversorgung des Landkreises Miltenberg?

„Backen können wir uns leider keine jungen Ärztinnen und Ärzte, aber wir haben auch im Jahr 2019 neue Hausärztinnen und –ärzte im Landkreis Miltenberg begrüßen können. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen, wenn auch langen Weg sind. Deshalb gehen wir auch in unsere Gymnasien, um dort langfristig jetzt schon Kontakte zwischen zukünftig Medizin-Studierenden und den Praxen in unserem Landkreis aufzubauen.
Zurzeit haben wir fünf Ärztinnen und ­Ärzte in unserem Weiterbildungsverbund, die im Anschluss an ihre Facharztweiterbildung voraussichtlich alle im Landkreis Miltenberg bleiben, sich hier niederlassen oder hier tätig werden wollen. Außerdem haben interessierte Ärztinnen und Ärzte auch schon unsere Informationen und Angebote genutzt und wurden an Gemeinden und suchende Praxen weitergeleitet. Durch intensive Kontaktmöglichkeiten und ­Angebote für Medizinstudierende sowie junge Ärztinnen und Ärzte hoffen wir, für den ärztlichen Nachwuchs auch weiterhin interessant und attraktiv zu bleiben.“

Und was ist mit der kinderärztlichen Versorgung? Unsere Familien sind ja schon froh, wenn sie überhaupt einen Termin beim Kinderarzt bekommen.

„Seit ich Landrat bin, sehe ich in einer besseren kinderärztlichen Versorgung für unsere Familien eine meiner Hauptaufgaben. Die bisherigen 6,5 Sitze waren – anders als von der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung behauptet – absolut unzureichend! Nun ist es gelungen, dass die Bedarfsplanungs-Richtlinie grundsätzlich überarbeitet wurde. Es ging ja schon durch die Presse, dass wir 2 Kinderarztsitze mehr erhalten. Ich werte das als klaren Erfolg der Gesundheitsregion plus. Nun werden wir in den kommenden Monaten die neuen Sitze besetzen, damit die Familien im Landkreis endlich eine bessere kinderärztliche Versorgung im Alltag positiv spüren können. Ich bin über diesen Erfolg sehr froh!“

Abgesehen von Pflege und ärztlicher Versorgung – gibt es weitere Handlungsfelder?

„Unbemerkt von den politischen Schlagzeilen haben wir im Bereich der Heilmittelerbringer, das sind Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden und Podologen, einen großen Fachkräftemangel. Das äußert sich in geschlossenen Praxen und langen Wartezeiten auf Termine. Die Gesundheitsregion plus hat deshalb eine eigene Arbeitsgruppe für Heilmittelerbringer gegründet, die gemeinsam an Lösungen gegen den Fachkräftemangel im therapeutischen Bereich arbeitet. So traten wir bei den Berufsmessen 2019 erstmals mit diesem für junge Menschen sehr interessanten Berufsfeld öffentlich auf.

Viel Engagement wird auch die Umsetzung des seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes brauchen. Die Neukonzipierung dieser Richtlinien war mir 2018 und 2019 ein wichtiges persönliches Anliegen. Ich bin dankbar für die engagierte Mitarbeit des landkreisweiten Seniorennetzwerkes, und gemeinsam werden wir uns nun an die Umsetzung machen.
Zurzeit arbeiten wir auch an den Themen „integrierte Versorgung“ und „digitale Lösungen“, oder an der Entwicklung von Gesundheitsstrategien, gerade für Kinder und Jugendliche – die Trinkbrunnen in den Schulen sind nur ein Beispiel hierfür. Das PflegeNetz plant zurzeit schon seinen 4. Pflegetalk zum Thema „happiness“ im Frühjahr 2020. Außerdem steht ein Famulaturprogramm für Medizinstudierende neu auf unserer Agenda.

Ich rechne damit, dass die derzeitigen Themen der Gesundheitsregion plus im Rahmen des demografischen Wandels und des gleichzeitigen Fachkräftemangels noch weiter an Bedeutung zunehmen und deshalb zu einer Daueraufgabe werden. Die Arbeit wird in den kommenden Jahren nicht ausgehen.“
Eine weitere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Gesundheitsvorsorge, oder?
„Auch die Gesundheitsvorsorge kommt leider in der politischen Diskussion zu kurz, bietet aber große Möglichkeiten. So haben wir zum einen den umfassenden Gesundheitswegweiser für Bürgerinnen und Bürger entwickelt, zum anderen die betriebliche Gesundheit gemeinsam mit den örtlichen Krankenkassen in kleinen und mittelständischen Betrieben gestärkt. Gerade kleineren Betrieben fehlt die Ressource, sich hiermit intensiv zu beschäftigen; diese Lücke haben wir geschlossen.“

Stichwort Digitalisierung: Spielt sie in unserer Gesundheitsregion eine Rolle?

„Ja natürlich. Wie alle Lebensbereiche erlebt auch die Pflege- und Gesundheitsversorgung derzeit eine intensive Veränderung durch die Digitalisierung. Wichtig ist es meines Erachtens, dass wir hier eine aktive und gestaltende Rolle einnehmen, denn die Digitalisierung muss in allen Bereichen uns Menschen dienen! Die Vernetzung zwischen Rettungsdienst und Notaufnahme wurde dank der digitalen Möglichkeiten deutlich verbessert, ebenso suchen niedergelassene Ärzte, Krankenkassen und Pflegeeinrichtungen derzeit nach einer besseren Kommunikation.
Besonders erwähnenswert finde ich das Engagement des Kreisaltenheims Amorbach und der ambulanten Pflege des Kreis-Caritas-Verbandes, die im Rahmen eines bundesweiten Projekts digitale Möglichkeiten erproben. Zentrale Fragestellung ist dabei immer, ob die Qualität der Pflege tatsächlich verbessert werden kann, sowohl für den Pflegenden als auch für die gepflegten Menschen.“

Wie bringen Sie sich in das Ganze als Landrat ein, wo sehen Sie Ihre Rolle?

Der Erfolg unserer gemeinsamen Arbeit in der Gesundheitsregion plus liegt am hohen Engagement der vielen beteiligten Akteure im Gesundheitswesen, in der Pflege und in der Kommunalpolitik. Durch die gute Zusammenarbeit – vernetzt durch unsere vom Freistaat Bayern geförderte Geschäftsstelle – ist die Gesundheitsregion plus in unserem Landkreis zu einem kompetenten und gefragten Gesundheitsnetzwerk geworden, in dem alle Akteure stets auf dem neuesten und gleichen Stand sind. Meine Aufgabe sehe ich deshalb darin, nach Möglichkeit jede Sitzung einer Arbeitsgruppe persönlich zu leiten. Dadurch zeige ich den hohen Wert dieser Arbeit und bin als Landrat genau dort, wo intensiv gearbeitet und nachgedacht wird. Das ist mir eine Verpflichtung, denn Gesundheit und Pflege sind die Grundpfeiler der Lebensqualität der Menschen in unserem Landkreis Miltenberg.“

Jens Marco Scherf schreibt regelmäßig auf www.jens-marco-scherf.de . Gerne beantwortet er dort Ihre Fragen zu Landkreisthemen.

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